An diesem Samstag ist "Mariä Empfängnis", ein guter Anlass, das Missverständis aufzuklären. Die "Unbefleckte Empfängnis" hat nichts mit dem Zeugungsakt zu tun, insbesondere auch nicht mit dem Glaubensdogma, dass Maria als Jungfrau schwanger wurde und Jesus gebar.

Hintergrund der Sache ist ein seit dem Mittelalter schwelender Streit in der katholischen Kirche über die Frage, wie denn Maria, die ja eigentlich mit der Erbsünde behaftet sein musste, die Mutter des Gottessohns sein konnte. Es galt, sie irgendwie von dieser Sünde zu befreien, und dafür gab es zwei Möglichkeiten: einmal eine "göttliche Reinigung" (sanctificatio Mariae) rechtzeitig vor der Niederkunft, oder eben die Annahme, dass Maria bereits ab dem Zeitpunkt ihrer Zeugung (die auf ganz konventionelle Weise stattfand) frei von Sünde war – eben die "Unbefleckte Empfängnis" (immaculata conceptio).

Erst Papst Pius IX. entschied diesen Streit im Jahr 1854 durch seine Bulle Ineffabilis Deus. Darin heißt es, die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis sei "von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben". Damit war die Angelegenheit zumindest für Katholiken ein für allemal geklärt. Christoph Drösser

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