Wenn ich träume, dann zumeist von Bügeleisen und Toastern oder nicht aufzufindenden DVDs. Manchmal jedoch stelle ich mir vor, die Welt wie ein Vogel im Flug zu erleben: Bilder wie in einem Film von Tsui Hark, wie von einer rasenden Kamera gedreht oder durch eine Computersimulation erstellt. Alles aus großer Höhe betrachten, die Dinge umkreisen – Großstädte, Dörfer, Schluchten, Seen, Tümpel, Müllberge und Nadelwälder. Extreme Beschleunigung, 300 Meter in zwei Sekunden. Nähe, Perspektivwechsel, Entschleunigung. Die Welt als Skulptur. Wie wir Menschen immer auf der Oberfläche der Welt herumkröppeln! Wir sind ja eine Existenzform des Mittelmaßes.

Vögel tauchen auch immer wieder in meinen Bildern auf. Sie scheinen fast aus Versehen da reinzugeraten. Für mich symbolisieren sie den Humor des Voyeurs, in der europäischen Tradition stehen sie eigentlich für die Seele. Vögel sind unverbindlich, und von Unverbindlichkeit als Haltung träume ich tatsächlich, weil Verbindlichkeit die Kunst definiert, das Sozialleben zusammenhält und Denken organisiert. Als Kind habe ich Vögel beobachtet, ich komme vom Land, aus Schleswig-Holstein. Die Provinz zwang mir solch kontemplative Tätigkeiten ja auf. Es geht mir aber nicht darum, ein Vogel zu sein, nur um mich frei zu fühlen, herumzuflattern, um Gottes willen! Es geht mir allein um die Wahrnehmung.

Ich sehne mich auch sonst nach Beschleunigung, nach extremem Tempo. Es sollte einfach mehr passieren. Vielleicht ist es ein mitteleuropäisches Phänomen, dass das Leben so behäbig ist. Das geistige Doppelkinn zusammen mit dem weinerlichen Tonfall von Leuten, die nichts zu klagen haben. Dehalb bin ich auch gern allein. So kann ich die Illusion aufrechterhalten, beschleunigt zu existieren, obwohl ich eigentlich nichts leiste. Unter Menschen gelingt mir das nicht.

Das Leben zu beschleunigen würde auch bedeuten, keine Zeit zu verplempern. Das Unnütze schneller zu entkernen. Infamerweise gehört es ja zur künstlerischen Praxis, viel Zeit zu vertrödeln. Zu grübeln, sich zu befragen. Zu zweifeln, sich selbst zu bemitleiden, zu winseln – das gehört zur Malerei.

Meine Arbeit zeichnet sich leider durch extreme Langsamkeit aus. Durch Zufall. Drei Striche machen, drei Tage später angucken, nachdem man drei Tage lang ein schlechtes Gewissen hatte. Dann feststellen, dass die Striche falsch gewesen sind, man etwas ganz anderes machen muss. Sich dann doch darüber freuen, dass man drei Tage lang nichts gemacht hat, weil das ja auch falsch gewesen wäre.