Glühwein, Lebkuchen, Bratwurst und – ausgebuchte Hotels: Der Advent ist für viele Orte in Deutschland touristische Hochsaison. Besonders in den vergangenen Jahren haben die Weihnachtsmärkte immer mehr Gäste aus dem Ausland angelockt. Nun gehen einige Städte mit den besinnlichen Tagen in die Verlängerung: Die Buden und Stände werden nicht mehr nur bis Heiligabend, sondern bis zum Jahresende geöffnet sein.

Einer der Vorreiter in Sachen Marktverlängerung war Lübeck. "Vor zwei Jahren gab es bereits einen Test, dieses Mal machen alle mit", sagt Doris Schütz von der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH. In der Altstadt werden die Weihnachtsmärkte bis zum 30. Dezember in den Straßen und Gassen bleiben – voll werden dürfte es trotzdem. Rund eine Million Tagesgäste verzeichnet die Hansestadt normalerweise im Dezember, die Zahl der Übernachtungen ist in den vergangenen Jahren auf knapp 50.000 gestiegen. Die meisten Touristen kommen aus Schweden. "Für die gehört es bei einem Besuch in Lübeck dazu, auf den Markt zu gehen und dort Glühwein zu trinken", sagt Schütz. Aber auch der Kunsthandwerkermarkt im Heiligen-Geist-Hospital mit Ausstellern aus Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum ist sehr beliebt. Seit Ryanair direkte Flugverbindungen von Pisa und Mailand eingerichtet hat, haben sich die Italiener den Platz als zweitstärkste Besuchernation aus dem Ausland gesichert. "Die deutschen Weihnachtsmärkte sind eben etwas Besonderes. Andere Länder haben nicht diese Tradition", so erklärt sich Schütz das gestiegene Interesse.

Davon will auch Hamburg noch stärker profitieren. Seit 2001 registrierte die Tourismus GmbH einen Zuwachs von 60 Prozent bei den Dezemberübernachtungen aus dem In- und Ausland. In diesem Monat werden sogar zehn Millionen Tagesgäste und 540.000 Übernachtungen erwartet – denn in der Innenstadt können die Besucher mit Ausnahme des Marktes auf dem Rathausplatz bis zum 30. Dezember an Schmalzkuchen knabbern, der Weihnachtsmarkt auf dem Jungfernstieg bleibt Unermüdlichen sogar noch in der Silvesternacht bis um zwei Uhr zum Bummeln.

Die ältesten und bekanntesten Weihnachtsmärkte in Deutschland wollen sich der Saisonverlängerung allerdings nicht anschließen. Beim Striezelmarkt in Dresden bleibt alles wie gehabt: Datum, Riesenstollen und die weltgrößte Stufenpyramide aus dem Erzgebirge, drum herum ein großes kulturelles Programm. Auch beim Nürnberger Christkindlesmarkt setzt man auf Tradition. "Wir haben immer mal wieder überlegt, den Markt zu verlängern", sagt Michael Schönemann von der Congress- und Tourismuszentrale. Aus historischen Gründen habe man sich dagegen entschieden. "Der Markt begann schon immer am Freitag vor dem ersten Advent, und er endete schon immer an Weihnachten, wie es der Begriff Weihnachtsmarkt ja auch will."

Dabei beschert der Christkindlesmarkt Nürnberg die meisten Übernachtungen im Jahr. Im Dezember 2006 waren es 192.000, davon 65.000 aus dem Ausland – ein Rekord. Unter den Ausländern sind es vor allem die Italiener, die kommen, um Zwetschgenmännle zu kaufen, Rostbratwürste und natürlich Lebkuchen zu essen. Am dritten Advent rollen besonders viele Busse an. Aber auch viele Gäste aus Großbritannien, den USA, Japan, China und Russland mögen die historische Kulisse. In diesem Jahr hat die Congress- und Tourismuszentrale zudem mit Hofer kooperiert, dem österreichischen Ableger von Aldi, und über ihn eine Pauschalreise zum Weihnachtsmarkt angeboten.

Und was machen die Einheimischen, wenn sie unter sich sein wollen? "Montag und Dienstag ist es zwischen den Buden nicht so eng", sagt Michael Schönemann. Auch auf dem Kinderweihnachtsmarkt gehe es ruhiger zu. In Lübeck herrscht bei den Märchenwaldhäuschen an der Marienkirche nicht so viel Trubel.

Wer es etwas außergewöhnlicher, romantischer oder alternativer mag, wird schnell fündig: etwa auf der Internetseite www.weihnachtsmarkt-deutschland.de . Von dort wird man zum Beispiel zum Markt des Tollwood Winterfestivals in München geleitet, dessen Schwerpunkt bei Kunsthandwerk und Ökoprodukten aus aller Welt liegt. Oder zu dem in Vilshofen. Die Vilshofener haben übrigens ihren Christkindlmarkt schon vor einigen Jahren verlegt: nicht zeitlich, sondern an und auf die Donau.