Kürzlich posaunte der Augsburger Bischof Mixa, die Grünen seien für Katholiken nicht mehr wählbar. Das hätte er lieber lassen sollen. Denn wer die Diskussionen dieser Tage über Stammzellen, die Lebensführung von Politikern oder das Erziehungsgeld verfolgt, der könnte leicht den Eindruck bekommen: Die CDU ist für Katholiken nicht mehr wählbar.

Tatsächlich ist zwischen katholischer Kirche und C-Parteien einiges zusammengekommen, die Rede ist von Verrat und dem Ende des "C". Unverkennbar ist auch eine gewisse Entfremdung in gesellschaftspolitischen Fragen. Geht da etwas zu Bruch?

Jüngster und wichtigster Fall ist der Streit um die Forschung an embryonalen Stammzellen. Der Bundestag hatte im April 2002 beschlossen, nur solche Stammzellen freizugeben, die vor einem bestimmten Stichtag gewonnen worden waren. Man wollte zwar forschen, damit aber keine Nachfrage nach immer neuen Embryonen erzeugen. Derweil sind die Stammzellen alt geworden, die deutschen Wissenschaftler verlangen nach frischem Material.

Das alles ist ethisch hoch heikel, weil die Frage, wann ein Mensch beginnt, Mensch zu sein, die Fundamente berührt. Fest steht jedoch: In der Fristenfrage können auch Christen unterschiedliche Haltungen haben. Fest steht zweitens, dass katholische und evangelische Kirche hier getrennte Wege gehen. Fest steht drittens, dass der CDU-Parteitag nur mit knapper Mehrheit für eine Fristverlängerung gestimmt hat. Wer also einen Grundkonflikt zwischen Kirche und Union erkennen will, braucht dazu mehr als die Stammzellfrage.

Das ließe sich finden, etwa im neuen Familienbild der Union. Danach gelten Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, und solche, die sie in die Krippe geben, als gleichberechtigt. Das gefällt der katholischen Kirche nicht, wohl aber den meisten Katholiken. Das wissen die Geistlichen und mäßigen darum, in der Regel, ihren Ton.

Gleiches gilt für den Lebenswandel führender Unionspolitiker. Zwar fällt es nicht mehr leicht, in der Spitze der Union jemanden zu finden, der heterosexuell und in erster Ehe verheiratet ist und zudem noch Kinder hat. Doch halten sich die Bischöfe mit öffentlicher Kritik an privaten Schicksalen zurück. Man könnte sagen: Der Klerus ist da schon weiter als die Bild- Zeitung, weiß er doch, dass moralische Ferndiagnosen eine zweifelhafte Übung sind.