In Wien soll es über 3000 Stätten geben, die an Schriftsteller und ihre Werke erinnern. Nun lädt die Journalistin Susanne Schaber zu Spaziergängen auf bekannten und weniger bekannten Routen ein. Von Friedrich Hebbel bis Elfriede Jelinek kommen unterwegs zahlreiche Dichter zu Wort. Gerhard Roth sieht im Stephansdom eine "versteinerte Arche Noah". Franz Grillparzer jammert bei seinem Abschied aus der Hofbibliothek: "Für den Kopf, ich muss es sagen, sorgtet ihr recht sehr; doch ich hab auch einen Magen, und den ließt ihr leer." Der atmosphärisch dicht gestrickte Band blendet auch dunkle Stunden wie Hitlers Rede auf dem Heldenplatz 1938 nicht aus und vermittelt damit ein sehr eindrückliches Wien-Gefühl. MWE

Susanne Schaber: "Wien". Ein Reisebegleiter; Insel-Verlag, Frankfurt am Main 2007, 272 S., 10,– €

Dass Hamburg ganz leise und introvertiert sein kann, beweist Anna Brenken mit ihrem besinnlichen Stadtführer Stille Winkel. In der laptopfreien Zone der Staatsbibliothek genießt sie den Zustand der Geräuscharmut; auf der Billerhuder Insel inmitten der östlichen Gewerbegebiete hört sie Nachtigallen schlagen und Frösche auf Seerosentümpeln quaken. Blankeneses Römischer Garten, Hamburgs älteste Weinstube in Ottensen, eine unterirdische Exkursion durch den Alten Elbtunnel – auf 26 Spaziergängen hat sich die Autorin aus dem urbanen Getümmel ausgeklinkt. CS

Anna Brenken: "Stille Winkel in Hamburg". Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2007; 128 S., 12,95 €

Die Deckel der Suppen- und Schmortöpfe zwischen Portugal und Polen hat Roberto Schell, reiselustiger Koch aus Oberbayern, gelupft. Was ißt Europa heißt seine Rezeptsammlung von 19 Menüs. Als Vorspeise vielleicht ein finnischer Glasmeisterhering? Esterházy-Rostbraten im Hauptgang und belgische Zuckerwaffeln zum Dessert? Mit Schell kann man sich durchs Abendland löffeln und dank reichhaltiger Illustrationen ein Bild davon gewinnen, dass selbst das "verhüllte Bauernmädchen" aus Norwegen ziemlich delikat aussieht. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger steuerte zu jedem Kapitel eine landeskundliche Einführung bei – süffisant und liebevoll ironisch. CS

Roberto Schell: "Was ißt Europa. Eine kulinarische Tour d’Horizon". Mit Texten von Hans Magnus Enzensberger und Fotografien von Willi Meister. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2007; 288 S., 49,90 €

Die "wyten Weiden" prägen den Schweizer Jura: weite Wiesen, von Fichten nur locker unterbrochen. Nicht einmal ein Prozent der Schweizer leben hier. Viel Platz zum Wandern also. Bruno Rauch, der Schreiber im Autorenduo dieses Buches, kommt auf 15 ausgedehnten Wanderungen in alle Ecken des 350 Kilometer langen Gebirges, das die Form eines Croissants hat. Er macht in den tälerzerfurchten Hochebenen ordentlich Höhenmeter und liebt es auch "stotzig", also steil und ausgesetzt. Der Enthusiasmus beim Wandern – "Juraah" hätten die Autoren gern als Titel auf das Buch gesetzt, aber das war den Lektoren in der Zürcher Zentrale doch zu viel – überträgt sich auf das Schauen. Geschichte, Kultur, Infrastruktur – Hans Dieter Finck stellt viele Fotos dazu. Die wieder aufstrebende Uhrenindustrie, die handauflegenden Heiler, der Sprachenstreit: Wer mit den beiden wandert, weiß hinterher viel. Alb

Bruno Rauch, Heinz Dieter Finck: "Im Herzen des Jura – Wanderungen zwischen Ajoie, Freibergen und Bielersee". Rotpunktverlag, Zürich 2007; 238 S., 24,– €