Niederschmetternde Nachrichten für die Unis zwischen Rostock und Dresden: Im Osten will kaum einer studieren, der Kampf gegen das miese Image hat gerade erst begonnen.

Es ist ein krasses Missverhältnis: Fast ein Viertel der ostdeutschen Abiturienten geht zum Studieren in den Westen, doch nur vier Prozent der Westdeutschen immatrikulieren sich an einer Hochschule in den neuen Bundesländern. So berichten es die Forscher des Hochschul-Informations- Systems (HIS) aus Hannover in einem noch unveröffentlichten Papier. In Auftrag gegeben wurde die Studie von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die von "bedauerlichen Zahlen" spricht.

Eine Untertreibung, denn die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage unter fast 6800 Studienanfängern aus ganz Deutschland sind niederschmetternd für die Universitäten im Osten: Sie schaffen es nicht, ihre offensichtlichen Stärken in ein besseres Image umzumünzen.

Die Ergebnisse sind zugleich ein Grund zu ernster Sorge für Deutschlands Wissenschaftspolitiker: Den erwarteten Studentenberg wollten sie zumindest teilweise dadurch bewältigen, dass sie die Bewerberströme in die neuen Länder umleiten. Dieser Plan, ein Bestandteil des von Ländern und Bund vereinbarten Hochschulpakts 2020, könnte jetzt an der großen Mehrheit der Westabiturienten scheitern, die die Osthochschulen aus Geringschätzigkeit verschmähen.

Dabei ist den Studienanfängern auch im Westen durchaus bewusst, dass das Studieren zwischen Rostock und Dresden eine Menge Vorteile hat. In der HIS-Umfrage nennen sie als größte Pluspunkte die im Vergleich zum Westen niedrigeren Lebenshaltungskosten und die bessere Ausstattung der teilweise grundsanierten ostdeutschen Hochschulen. Unter den wenigen Westdeutschen, die sich dann tatsächlich für ein Studium im Osten entschieden haben, ist die Ausstattung sogar das wichtigste Argument für den Umzug gewesen. Auch die Qualität von Forschung und Lehre wird von dieser speziellen Gruppe im Vergleich zum Westen positiv beurteilt.

Doch wenn die Studienanfänger aus ganz Deutschland dann nach dem Ruf der Hochschulen im Land befragt werden, erlebt der Osten einen regelrechten Einbruch: Nur zwei Prozent sind der Meinung, dass das Gesamt-Image für den Hochschulstandort neue Länder spreche – gegenüber 16 Prozent, die das Image für die große Stärke der Westhochschulen halten. Und selbst unter den wenigen Westdeutschen an den Osthochschulen loben nur zwei Prozent das Image ostdeutscher Hochschulen, 14 Prozent sehen auch hier die Vorteile aufseiten der alten Bundesländer.

"Im Westen existieren offenbar immer noch enorme Vorbehalte den neuen Ländern gegenüber", sagt Christoph Heine vom HIS. "Derzeit gehen Abiturienten vor allem dann in den Osten, wenn sie sich für einen bestimmten Studiengang interessieren, den es nur dort gibt." Die Hannoveraner Experten sprechen von einem starken "fachspezifischen Interesse", das die wichtigste Voraussetzung sei für die Wanderungsbewegungen – neben den zentralen Motiven, bei Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zu sparen.