Schulreform? Das ist nichts für Weicheier. Man muss nur das Hartei aus der Steiermark fragen. Seit seiner aktiven Eishockeykarriere gestählt in unzähligen Bandenkontakten, holt nun Franz Voves selbst zum Cross-Check aus. Er will Taten sehen – und Geld. Denn: "Das Gequassel habe ich satt!" Wie alle Bewohner seines Landes will er endlich wissen: "Was will diese Regierung?" Aber der Unmut des steirischen Landesfürsten wurde wohl erst deshalb so richtig entfacht, weil "ich schon wieder einmal in meinem Leben fünf Minuten vor einer Pressekonferenz einen Anruf bekommen" habe. Vielleicht wollte Unterrichtsministerin Schmied einfach und locker, wie es ihre Art ist, nur "Hallo" sagen – aber offensichtlich um fünf Minuten zu spät. Es dürfte sich hierbei um eine sozialdemokratische Spezialität handeln, denn schon des Kanzlers Anruf knapp vor so einem Pressetermin weckte unlängst den Kraftlackel in dem Mann. Die Kommunikation in der größeren Regierungspartei scheint eindeutig verbesserungsbedürftig zu sein. Voves reicht jetzt das "Gegackere" endgültig. Er dürfte das Argumentative bei den Parteigenossen vermissen, denn in den meisten ihrer Stellungnahmen vermutet er das hohle Wort von "Sonntagsrednern", sogar von ziemlich unintelligenten. Aber um keinen innerparteilichen Schaden anzurichten, umschreibt er seine Kritik an dem Diskurs mit der geschliffenen Formulierung: "wann’s wieder deppert werden". Die Empathie ist verständlich. Geht es hier doch um Bildungspolitik. Deshalb muss man dem aufrechten Steirer dankbar dafür sein, dass er in Wortwahl und gedanklicher Schärfe seine Vorbildfunktion voll erfüllt. Alfred Dorfer

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben