Herr Jacob, Sie wollen mit einem Vorhersageprogramm die Ausbreitung von Feldmäusen eindämmen. Warum?

Wenn sich 1.000 bis 2.000 Tiere auf einem Hektar tummeln, werden sie für den Landwirt zur Konkurrenz. Es kommt zu Ernteeinbußen. Dann muss man die Population regulieren.

Wie oft kommt eine solche Plage vor?

Etwa alle drei bis fünf Jahre. Das ist aber kein neues Phänomen, da hat sich in den vergangenen 120 Jahren nichts geändert.

Wie wollen Sie die Mäusemassen begrenzen?

Wir möchten vorhersagen, ob es in einer Region Probleme geben wird. Dann können die Bauern rechtzeitig etwas tun. Und es werden nur dort Energie, Zeit und Bekämpfungsmittel eingesetzt, wo es nötig ist. Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll.

Und wie funktioniert das Prognoseprogramm?

Wir verknüpfen historische Daten von Feldmausplagen – da haben wir Informationen über viele Jahrzehnte – mit den dazu gehörenden Klima- und Vegetationsdaten und suchen nach Parametern mit Vorhersagecharakter. Zum Beispiel könnten wir sehen, dass ein milder Winter in Kombination mit viel Niederschlag im Februar häufiger eine Plage ausgelöst hat. Wenn diese Konstellation wieder eintritt, ist es wahrscheinlich, dass es Feldmausprobleme geben wird.

Ein Frühwarnsystem, das lokal anwendbar ist?

Richtig. Eine Firma wird diese Feldmaus-Prognosen über das Internet vermarkten. Mit der kooperiert unser Institut. Ein Bauer etwa im Thüringer Becken, einem Hauptbefallsgebiet, wird die Vorwarnungen dann abonnieren.

Und wie bekämpft der Bauer die Mäuse?

Mit Nagergiften. Und wir ermuntern die Landwirte zu pflügen. Das verringert die Population ganz ohne Chemikalien, auch weil eine kurz gehaltene Vegetation weniger Deckung bietet.

Interview: Stephanie Janssen