Wir können zunächst feststellen, dass die statistische Arbeitslosigkeit abgenommen hat, während die soziale Spaltung weiter existiert und zum Teil sogar zugenommen hat. Die Konsolidierung der Wirtschaft läuft nicht parallel zur gesellschaftlichen Konsolidierung; Aufträge und Gewinnmargen mögen steigen, die soziale Spaltung bleibt. So hat die Zahl der Menschen, die von Hartz-IV-Leistungen abhängig sind, einen neuen Höchststand erreicht, im April 2007 waren es 7,4 Millionen. Arbeitslosigkeitsziffern sind also kein hinreichender Indikator für die Verbesserung der sozialen Lebenslage, denn der Lohn von Arbeit reicht immer seltener zur Sicherung der Existenz.

Parallel zum Rückgang der Arbeitslosenzahlen zeigen sich auch in der subjektiven Wahrnehmung 2007 deutlich positive Trends: Die allgemeine Angst vor Arbeitslosigkeit oder einer Verschlechterung der finanziellen Situation nimmt ab. Da aber seit der Verabschiedung der Hartz-IV-Gesetze eine längere Arbeitslosigkeit mit drastischen Einschnitten in der Lebenssituation verbunden ist, bleibt trotz dieser insgesamt positiven Entwicklungen der Anteil der Personen, die vor einem harten sozialen Abstieg große Angst empfinden, eher stabil.

Gleichwohl lassen sich erstaunliche Parallelen zwischen der Entwicklung der subjektiv wahrgenommenen Prekarität am Arbeitsmarkt und der Entwicklung der konkurrenzbasierten Fremdenfeindlichkeit registrieren (siehe Grafik 2). Die Kurven zeigen einen ähnlichen Verlauf des Anstiegs für den Zeitraum 2002 bis 2005 (beziehungsweise 2004) und der Abnahme für die Zeit 2005 (beziehungsweise 2006). Eine längsschnittliche Analyse bestätigt den Zusammenhang: Die jeweilige Prekarität am Arbeitsmarkt ist mitverantwortlich dafür, wie hoch das Ausmaß der Fremdenfeindlichkeit im Folgejahr sein wird. Die Verantwortung der ökonomischen und politischen Eliten, diesen Zusammenhang zu beeinflussen, ist offensichtlich. Dies gilt auch für einen weiteren, nämlich für den Zusammenhang zwischen dem ökonomistischen Denken in der Bevölkerung und seinen Auswirkungen auf schwache Gruppen.

Der forcierte Übergang von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft zeigt sich darin, dass ökonomistische Prinzipien wie Effizienz und Nützlichkeit das soziale Leben durchdringen und andere, nicht marktrelevante Grundsätze wie Empathie und Fürsorglichkeit überformen oder gar zurückdrängen. Ökonomistisches Denken ist die subjektive Verankerung kapitalistischer Logik in der Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass sich ökonomistisches Denken in breiten Bevölkerungskreisen entwickelt und verankert hat (siehe Grafik 3). Ein Indikator ist dabei der von den Menschen wahrgenommene Flexibilitätszwang. Damit meinen wir, dass auch die Elemente des gesellschaftlichen Zusammenlebens, etwa soziale Beziehungen, einer Gewinnkalkulation unterzogen werden.

Unsere These ist, dass unter dem Druck der skizzierten unübersichtlichen Perspektiven sozial verbindende Einstellungen und Verhaltensweisen an Bedeutung verlieren. In den oberen sozialen Gruppen tritt an ihre Stelle die Sicherung des Status, in den unteren die der materiellen Existenz.

Um herauszufinden, inwieweit wirtschaftlich-funktionale Kriterien wie Effizienz, Verwertbarkeit, Funktionalität und Nützlichkeit mittlerweile auf das soziale und zwischenmenschliche Geschehen übertragen werden, haben wir den Befragten in diesem Jahr Aussagen vorgelegt, die auf die Bewertung von Personen nach ihrer Nützlichkeit und Funktionsfähigkeit abzielen.