Seit der erste Travelers Cheque der Welt 1891 im Hotel Hauffe in Leipzig eingelöst wurde, hat man viele Währungen kommen und gehen sehen. Heute zahlen die meisten auch unterwegs am liebsten per Karte oder ziehen mit ihrer Hilfe Bargeld in der Landeswährung aus dem Automaten. Allein mit der EC-Karte funktioniert das in 93 Staaten. Kein Mensch braucht da mehr Reiseschecks. Sollte man meinen. Doch dann nennt Deanne Ziurys, bei American Express (Amex) zuständig für das Geschäft mit Travelers Cheques in Deutschland, Österreich und der Schweiz, nur eine Zahl: "18 Milliarden".

18 Milliarden US-Dollar beträgt der weltweite Umsatz, den allein Amex mit diesem Zahlungsmittel 2006 gemacht hat (wie sich der Umsatz über die Jahre entwickelt hat, verrät das Unternehmen nicht). Täglich werden 680000 Reiseschecks eingelöst. Die meisten werden in den USA verkauft, gefolgt von Japan und Europa. "Auch wenn der Trend zum Plastik geht: Die Deutschen lieben immer noch ihr Bargeld", sagt die Amerikanerin Ziurys. Und die Deutschen sind vor allem sicherheitsbewusst: Einlösen lassen sich die Schecks nur, wenn man sie ein zweites Mal unterschreibt und sich dabei ausweist. Bei Diebstahl oder Verlust werden Travelers Cheques in der Regel binnen 24 Stunden kostenfrei ersetzt, wenn man die Kaufquittung vorlegen kann (die man deshalb nie zusammen mit den Schecks aufbewahren sollte). Verbraucherschützer raten traditionell dazu, sich nie auf ein Zahlungsmittel allein zu verlassen, sondern mit einem Mix aus Bargeld, Karten und Travelers Cheques zu verreisen.

Mit einer großen Werbekampagne versucht American Express derzeit, das Geschäft außerhalb der Reisesaison anzukurbeln: Wer noch dieses Jahr für mindestens 750 Euro bei bestimmten Partnern wie Commerzbank, Postbank oder Citibank Reiseschecks kauft, spart den einprozentigen Ausgabeaufschlag. Außerdem kann man sich somit gleich auch den günstigen US-Dollar-Kurs sichern. Wer dann noch über www.amex.de eine Bank an seinem Zielort ausmacht, die Schecks gebührenfrei in Bargeld tauscht (sonst können bis zu zwei Prozent Gebühren anfallen), erhält seine Reisedevisen unschlagbar günstig. "In den USA empfehlen wir, die Schecks direkt in den Geschäften einzusetzen", sagt Deanne Ziurys. Vor einem Amerikabesuch werden auch die meisten Reiseschecks in Deutschland gekauft.

Für Jugendliche, die noch kein eigenes Konto haben, seien Travelers Cheques besonders attraktiv, sagt Deanne Ziurys, für "Senioren, die eine ausgeprägte Affinität zu ›Papier‹ haben" und alle, die an entlegene Orte reisen, wo elektronische Zahlungsmittel noch nicht so verbreitet sind. Ansonsten sagt Amex wenig zum Profil des typischen Käufers: Er (oder sie) ist zwischen 18 und 55 Jahre alt und nutzt die Schecks zu 90 Prozent für eine private Auslandsreise. Für Länder im Geltungsbereich des Euro ist der Gebrauch von Travelers Cheques nicht so verbreitet: "Dabei ist das Verlustrisiko genauso groß wie im außereuropäischen Ausland. Das ist nur nicht so stark im Bewusstsein."

In Deutschland besitzt Amex mittlerweile eine Monopolstellung: Die Travelers-Cheque-Sparte von Thomas Cook wurde vor Jahren erst an das Geldinstitut Travelex verkauft, das sie kurzerhand einstellte und auf Visa-Reiseschecks setzte. Doch das nur bis zu diesem Frühjahr – seitdem vertreibt auch Travelex nur noch Amex-Reiseschecks (gegen drei Prozent Gebühr).

Besonders stolz ist man bei American Express darauf, dass die Schecks niemals verfallen – und erzählt gern die Geschichte, dass 1990 in Berlin anstandslos ein in Reichsmark ausgestellter Scheck eingelöst wurde. Nur an den zugrunde gelegten Umrechnungskurs kann sich heute niemand mehr erinnern.