Mit 38 Jahren wurde sie einstimmig in die für eine Frau höchste Führungsposition gewählt. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, denn sie selbst bezeichnete sich als "einfach", "ungebildet" und "schwach". Seit frühester Kindheit litt sie immer wieder an Krankheitsschüben, die sie für lange Zeit ans Bett fesselten. Auch hatte sie keine formale Bildung erhalten, mit acht Jahren war sie einer unwesentlich älteren Erzieherin anvertraut worden, die sie in Handarbeiten und Frömmigkeit unterwies. Angesichts einer solchen Jugend ist es erstaunlich, mit welcher Entschlossenheit sie ihre neue Rolle nutzte, um sich unerhörten Einfluss zu verschaffen. Und verblüffend, wie gut sie die Menschen und die Welt kannte: politische Intrigen ebenso wie Ehrgeiz und Ruhmsucht oder die Macht von Geld und Beziehungen. Zunächst zögerte sie, mit ihrer Sicht von Reformen an die Öffentlichkeit zu treten. Dann versicherte sie sich mit diplomatischem Geschick der Unterstützung der obersten Autorität. Unbefangen und selbstbewusst gab sie sich im Umgang mit den höchsten Würdenträgern, dazu verhalfen ihr sowohl ihre adelige Herkunft wie auch die Überzeugung, Sprachrohr zu sein und nicht für sich selbst zu sprechen.

Es war wohl der Wunsch nach größerer Unabhängigkeit, der sie zu einem Ortswechsel veranlasste. Dieser Schritt bedeutete zwar materielle Autonomie, die sie mit Beharrlichkeit einforderte und durchsetzte, zugleich aber eine völlig ungesicherte Existenz ohne jede Unterstützung. Niemand konnte oder wollte verstehen, warum sie "von fruchtbaren Feldern und Weinbergen und einer lieblichen Gegend weg in ein wasserloses Gebiet ziehen" wollte, wo es nichts gab außer einer Ruine. Aber schließlich setzte sie ihren Willen durch. Jahre später beschrieb ein Ankömmling voll Bewunderung den stattlichen Gebäudekomplex, der inzwischen dort entstanden war. Er war in allen Funktionen genau durchdacht, alle wichtigen Räume waren mit einer Wasserleitung verbunden – eine unglaubliche Neuerung. Bemerkenswert fand er vor allem, dass dies "nicht von einem Mächtigen oder Reichen dieser Erde, sondern von einer armen, zugezogenen, schwachen Frau" erbaut worden war. Die nun über Fünfzigjährige hatte den Bau geplant und überwacht und daneben auch auf anderen Gebieten eine erstaunliche Kreativität entfaltet. Sie brachte ihre naturkundlichen Beobachtungen zu Papier und katalogisierte sie in einer ihrer Zeit weit vorauseilenden Systematik. Den Blick fest auf ihre Wirklichkeit gerichtet, schrieb sie über philosophische und theologische Fragen, komponierte und inszenierte Gesamtkunstwerke. Darüber hinaus korrespondierte sie mit den Großen der Welt und unternahm Reisen, bei denen sie in der Öffentlichkeit als Rednerin auftrat. Kurz vor ihrem Tod ließ sie sich noch einmal auf einen Machtkampf ein, als sie auf ihrem Grund und Boden einem Toten die letzte Ruhe gewährte, die ihm von höchster Stelle verwehrt wurde. Mit List und Autorität verhinderte sie die Exhumierung des Leichnams. Zur Strafe wurde ihr verboten, was ihr das Liebste war: die Musik.

Aber auch diesmal setzte sie sich durch: Die Strafe wurde aufgehoben, sodass sie, als sie im biblischen Alter von 81 Jahren starb, angemessen feierlich bestattet werden konnte.

Wer wars?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 50:
Sir Peter (Alexander Baron von) Ustinov (1921–2004) war unter anderem Schauspieler – er drehte viele Filme, darunter "Wir sind keine Engel" (mit Humphrey Bogart, 1955); zwei Nebenrollen-Oscars bekam er 1961 und 1965 für "Spartacus" und "Topkapi", dem breiten Publikum blieb er als Detektiv Hercule Poirot ("Tod auf dem Nil", 1978) im Gedächtnis. Außerdem wirkte "Sir Peter" als Regisseur, Conférencier und Autor. Er schrieb Bücher, Drehbücher, Theaterstücke, war seit 1968 Sonderbotschafter des Kinderhilfswerks Unicef und erhielt den Ehrendoktorhut mehrerer Universitäten. 2003 gründete er in Wien ein nach ihm benanntes Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen. Verheiratet war das sympathische Multitalent mit Isolde Denham, Suzanne Cloutier (beide Schauspielerinnen) und der Schriftstellerin Hélène du Lau d’Allemans