"World champ mobbed at midnight", berichtete die Indiatimes.

So ist das, wenn man gerade Schachweltmeister geworden ist, eine Milliarde Menschen glücklich gemacht hat und einen eine riesige Menge unter chaotischen Umständen nach Mitternacht am Flughafen in Delhi erwartet. (Der Empfang beim Staatspräsidenten verlief dann gesitteter.)

Bis es in die Heimatstadt Madras ging, wo Viswanathan Anand bei schwülen 36 Grad Celsius Zehntausende in der Mittagshitze erwarteten, Trommler und Musikgruppen den für Indien typischen Lärmpegel noch etwas höher schraubten, Schulmädchen ihm Blumengirlanden umhängten und er so zum wohlduftendsten Schachspieler aller Zeiten wurde, um schließlich mit seiner Frau Aruna in einer zweispännigen Kutsche auf der Fahrt durch Madras zu seinem ihm schon vor Jahren geschenkten Haus die Huldigungen entgegenzunehmen. Selbstverständlich standesgemäß mit Krone und Zepter.

"In meinen kühnsten Träumen hätte ich einen solchen Empfang nicht erwartet."

Nun dürfte es wenig sympathischere (und bescheidenere!) Menschen als den mehrfachen Sportler des Jahres geben, aber Indien leidet auch unter seinem Mangel an Spitzensportlern, nicht zuletzt im Vergleich mit China.

Dass "Vishy" bei der WM in Mexiko seinen Vorgänger Wladimir Kramnik (Russland) auf den zweiten Platz verweisen konnte, hatte er auch einem Remis in ihrer zweiten direkten Begegnung zu verdanken, obwohl Kramnik dort mit Turm gegen Springer im Vorteil war. Aber warum fraß Kramnik als Weißer am Zug hier nicht mit 1.Dh6xg5 den verlockenden Bauern?

Es wäre ein schrecklicher Reinfall geworden – nur warum?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 50:
Nach welchem schwarzen Schlag war Weiß rettungslos verloren? Das Qualitätsopfer 1…Txd1! musste Weiß wegen der Drohungen 2…Th1 matt und 2…Txd2 mit 2.Dxd1 annehmen, doch nach 2…Dxf2+ 3.Kh3 Lg2+ wurde er matt: 4.Kg4 Df5 matt oder 4.Kh2 Lf1+ 5.Kh1 Dg2 matt