Mit dem Suffix -lich kann man aus Substantiven Adjektive machen: Glück – glücklich, Angst – ängstlich. Hängt man es aber an ein Wort, das schon Adjektiv ist, passiert Seltsames. Rötlich ist nicht rot, sondern nur irgendwie rot, ein bisschen rot, und kränklich ist nicht so schlimm wie krank. Umgekehrt ist es bei alt und ältlich. Eine alte Frau kann schön sein, eine ältliche kaum. Und dümmlich ist sozusagen dümmer als dumm. Wenn wir sagen, Herr X sei dümmlich, wollen wir ihn stärker herabsetzen, als wenn wir sagten, er sei dumm. Wäre er wirklich dumm, verdiente er unser Mitgefühl, so wie jemand, der schwach ist, unsren Beistand erwarten darf – jemand, der schwächlich ist, hingegen nicht. Dieses Anhängsel ist also tückisch, und oft wirkt es nur preziös. In der SZ stand über die neue Edition des Doktor Faustus zu lesen, der Kommentar sei "außerordentlich umfänglich" geraten. Wenn der Kommentar außerordentlich umfangreich ist, kann er nicht umfänglich sein. Es wäre, als wollte man sagen, etwas sei extrem rötlich. Und das wäre außerordentlich dümmlich. Ulrich Greiner

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