Karl Mays Werke haben Mentalitätsgeschichte gemacht. Sie gehören zu den Büchern, aus denen die Deutschen, vor allem diejenigen männlichen Geschlechts, seit dem späten 19. Jahrhundert ihr Selbst- und Weltbild bezogen. Kein deutscher Autor wurde quer durch alle Schichten, vom Arbeiterbengel bis zum Kommerzienratsschnösel, heißohriger rezipiert als der sächsische Epiker, dessen Bücher heute eine globale Gesamtauflage von über 200 Millionen Exemplaren erreicht haben dürften. Dabei bot May nicht nur Schmonzetten, Indianerkrimis und Reiseabenteuer aller Art, sondern schuf in seinem kaum überschaubaren Werk, das er zwischen 1875 und 1910 verfasste, einen eigenen Kosmos.

Karl May wollte nicht nur unterhalten. Er glaubte immer, eine Mission zu haben. Besonders deutlich wird das in den orientalischen Geschichten, in Büchern wie Durch die Wüste oder Von Bagdad bis Stambul. Hier heißt der Erzähler und Held nicht Old Shatterhand, sondern meist Kara Ben Nemsi: Karl, der Sohn der Deutschen. Liest man diese Romane heute, da der Krieg gegen den Terrorismus zum Krieg der Kulturen zu eskalieren droht, dann entdeckt man in ihnen einen frühen Streiter für die christliche Welt. Neben der vergleichsweise differenziert inszenierten Konfrontation zwischen guten und bösen Indianern, zwischen guten und bösen Weißen in den Wildwestgeschichten verläuft hier die Hauptfront seines ideologisch so symptomatischen Werkes.

Nicht dass May eigene bittere Erfahrungen mit Muslimen gemacht hätte. Schon gar nicht in seiner Jugend.

Geboren 1842 im erzgebirgischen Ernstthal, wächst er als fünftes von insgesamt 14 Kindern in einer bitterarmen Weberfamilie auf. Noch während der Ausbildung zum Lehrer begeht er erste Straftaten, die in eine ganze Serie von Wiederholungsdelikten (Diebstahl, Betrug, Fälschung, Hochstapelei) münden. Schließlich, 1870, wird er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Seitdem hat er etwas "gutzumachen". Er wird zum Schriftsteller – zum erfolgreichsten Autor deutscher Sprache. Er kauft sich in Radebeul bei Dresden ein prächtiges Haus, die Villa Shatterhand, er ist bei Fürsten zu Gast, aus dem Paria wird ein Parvenü. Und endlich kann er sich auch die Reisen leisten, von denen er schon so lange so fantasievoll berichtet hat.

Doch um die Jahrhundertwende verlässt das Glück den Mann und Dichter May. Seine erste Ehe scheitert. Er sieht sich heftigen Presseangriffen ausgesetzt, die seine frühen Kolportageromane als "unsittlich" brandmarken, sein Rollenspiel als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi als fiktiv enttarnen und seine kriminelle Vergangenheit enthüllen. May wehrt sich, er führt Prozess um Prozess.

Gleichzeitig gerät sein angelesenes Orientbild auf einer 15-monatigen Reise ins Wanken, die ihn 1899/1900 von Ägypten bis nach Ceylon und Sumatra führt. Er spürt, dass das sentimentale, fundamentalistische Christentum, das er bis dahin so sendungsbewusst gepredigt hat, nicht mehr genügen kann. Es ist der Beginn jenes symbolisch-allegorischen Spätwerks, das die May-Forschung seit Beginn der siebziger Jahre in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung stellt. Mays Christentum nimmt pazifistische und universalistische Züge an. Er will jetzt den Frieden auf Erden verkünden, wie 1901 der Titel eines seiner späten Werke lautet.

Zehn Jahre zuvor, in der Erzählung Christus oder Muhammed, ging es noch ganz anders zur Sache. Diese Geschichte endet im Hinterland von Tunis mit einem Duell der konkurrierenden Götter und Menschen. Die Familie eines Arabers wird während eines Salzsturms von einem Panther angefallen. Der kleine Sohn droht zerfleischt zu werden. Während die schon halb christianisierte Mutter Jesus anruft, macht der Vater die Szene zum Gegenstand einer religiösen Wette: Wer hilft, soll recht haben, Christus oder Mohammed. Das lässt sich der Held der Geschichte – wie immer heißt er Kara Ben Nemsi – nicht zweimal sagen. Er liegt mit seinem nie fehlschießenden Gewehr im Hintergrund, zielt und tötet den Panther. Ein Gottesurteil. Der fanatische Araber erkennt die Macht des größeren Gottes an und konvertiert.

1891 erschien Christus oder Muhammed in einem Marienkalender. Als zweiter Teil des orientalisch vielverheißend annoncierten Sammelbandes Orangen und Datteln wurde die Erzählung 1893 in die Freiburger Ausgabe des Verlages Friedrich Ernst Fehsenfeld aufgenommen, später unter dem wüstengemäßeren Titel Sand des Verderbens in die bearbeitete Radebeuler/Bamberger Ausgabe. Die Geschichte steht für das antagonistische Weltbild Mays, in dem alles in Gut und Böse zerfällt. Das heißt im Hinblick auf den Orient: in ein überlegenes Christentum und einen auf allen Gebieten unterlegenen Islam. "Ich teilte mir die Erde", schreibt er in seiner "edelmenschlich" geläuterten Autobiografie, "in zwei Hälften, in eine amerikanische und eine asiatisch-afrikanische. Dort wohnt die indianische Rasse und hier die semitisch-mohammedanische. An diese beiden Rassen wollte ich meine Märchen, meine Gedanken und Erläuterungen knüpfen."

In diesen "Märchen" und "Gedanken" erfährt ein christlicher Fundamentalismus seine antiislamische Zuspitzung. Die Begegnung der beiden Religionen wird zu einem frühen clash of civilizations. Von den Reiseerzählungen, die Durch die Wüste und, mit zum Teil frappierenden Parallelen zu den heutigen Szenerien, Durchs wilde Kurdistan und In die Schluchten des Balkans führen, ja den tollkühnen deutschen Effendi ins verbotene Mekka vordringen lassen, bis zur Trilogie Im Lande des Mahdi zieht sich die Blutspur dieses Konflikts. Gerade wegen der Verwandtschaft der monotheistischen Offenbarungsreligionen bricht ihre Konkurrenz umso wütiger aus. Der indianische Manitu des edlen Apachenhäuptlings Winnetou ist nur noch Folklore, ein toter Gott, Allah hingegen fatal vital. Offen ist der Ausgang der Auseinandersetzung indessen nie: Dem Islam ist die Niederlage, dem Christentum der Sieg gewiss.

Mit gesunder Rohheit für ein bigottes Christentum

Zu jener Zeit, als Christus oder Muhammed erschien, hatte May allerdings noch kein Land des Orients betreten. Die literarischen Quellen seiner Selbsterfindung konnte er selbstverständlich nicht nennen, da er ja fingierte, von seinen eigenen Erlebnissen zu schreiben. Tatsächlich hatte er nur exzerpiert und zitiert, auch plagiiert, was andere Autoren hergaben. Die Monografie von Inge Hofmann und Anton Vorbichler Das Islam-Bild bei Karl May und der Islamo-Christliche Dialog dokumentiert einen Teil seiner einschlägigen Lesefrüchte. Dazu gehört die Klärung der Frage, was er überhaupt vom Koran wusste. In der Villa Shatterhand in Radebeul liegt demonstrativ ein Exemplar aufgeschlagen, die Vorhänge sind mit Suren bedruckt. Doch Mays Bücher jener Zeit zeugen von einer sehr selektiven Lektüre, die unverhohlen den Zweck hat, die Überlegenheit des Christentums und der westlichen Kultur zu demonstrieren.

Die orientalischen Geschichten folgen einem stereotypen Grundmuster. Am Anfang steht – gegen alle Regeln der Gastfreundschaft, wie sie gerade im Orient hoch geschätzt werden – die unverzüglich herbeigeführte Konfrontation. Die Aggression geht dabei stets von den Muslimen aus. Dann eskaliert der Streit zur Kollision. Er wird auch mit der überlegenen westlichen Waffengewalt, Kara Ben Nemsis listiger Intelligenz und seiner herkulischen Körperkraft ausgetragen. Schwerer wiegt jedoch die Kollision der religiösen Bekenntnisse und Kenntnisse. Manchmal scheint Kara Ben Nemsi hier Gnade walten zu lassen, indem er auch dem Islam eine gewisse Wahrheit zubilligt. Aber wahr am Islam ist für ihn nur das, was nicht spezifisch islamisches, sondern christliches Erbe ist. Wo der Islam eigene Wege geht, ist er falsch. (Allenfalls vom Prinzip Hoffnung inspiriert ist da die Einschätzung des lebenslang begeisterten Karl-May-Lesers Ernst Bloch, dass May "wenigstens in den Orientbänden der Islam lieber" sei.)

Den Schluss bildet dann stets das Gottesurteil, der Sieg über den ohnmächtigen Gegner. Dieser Triumph muss nicht unbedingt den Tod des Widersachers bedeuten. Am vollständigsten ist der Sieg, wenn der Konkurrent und Gegner von einst sich zum einzig wahren und vor allem mächtigeren Glauben bekehren lässt. Denn keine Rolle spielte May lieber als die des Missionars. Der Zuspruch von professioneller Seite blieb nicht aus. "Ich bin Missionar, und Sie sind es auch", schrieb ihm ein Geistesverwandter aus der Ferne nach Radebeul. "Meine größten Schätze hier im Innern Afrikas sind das Wort Gottes und Ihre Bücher."

Von der Konfrontation über die Kollision zur Konversion führt der Heilsweg. Wo er nicht zum Ziel gelangt, ist die christliche Antwort unbarmherzig. Nach der zutreffenden Einschätzung der Frankfurter Zeitung vom 3. Juni 1899 paart sich in der "ganzen Karl-May-Literatur" eine "›gesunde‹ Rohheit [] mit einer tendenziösen Verherrlichung des bigotten Christentums".

Im Extrem zeigt das Mays religionspolitische Trilogie Im Lande des Mahdi, 1891/92 in Zeitschriften, dann 1896 in der Freiburger Ausgabe erschienen. Der Kampf der Religionen und Kulturen wird hier mit einer selbst bei ihm außergewöhnlichen Härte und dogmatischen Unversöhnlichkeit ausgetragen.

Der Mahdi, der "Rechtgeleitete", ist eine vor allem für die schiitische Tradition wichtige eschatologische Gestalt, eine Art von islamischem Messias. Er wird kommen und den Kampf der Gläubigen gegen die Ungläubigen entscheiden. Für die Schiiten sei, wie die Marburger Islamwissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann schreibt, "der Glaube an die Wiederkehr des verborgenen zwölften Imams Mohammed al-Mahdi, der unerkannt auf der Erde weilt", so bedeutsam, dass er Eingang in die Verfassung der Islamischen Republik Iran gefunden hat. "In Artikel 5 wird der verborgene Imam als eigentliches Staatsoberhaupt genannt, in dessen Vertretung die weltliche Regierung so lange agiert, bis er – ›möge Allah seine Wiederkunft beschleunigen!‹ – die Herrschaft übernimmt."

Mahdis hat es in der Geschichte des Islams oft gegeben. Als aber im März 1881 im Sudan ein Mahdi auftrat, der die osmanisch-ägyptische Oberherrschaft und ihre kolonialen britischen Protektoren erfolgreich bekämpfte, war eine epochale Symbolfigur für den Kampf der Religionen und Kulturen gefunden. Für christlich-fundamentalistische Gotteskrieger wie May jedenfalls wurde der Mahdi zu einer einzigen Provokation, entsprechend finster fiel die Darstellung aus. Das christlich-kolonialistisch gestimmte Publikum nahm seine Darstellung für bare Münze – jedenfalls so lange, wie es den "Reiseschriftsteller" Karl May, der dem Mahdi angeblich höchstselbst die Leviten gelesen hatte, noch nicht als frei fantasierenden Autor durchschaute.

Der historische Mahdi, Mohammed Ahmed ibn Abd Allah (1844 bis 1885), war vor seinem öffentlichen Leben Handwerker, Bootsbauer gewesen. Dann hatte er ein asketisches, dem Studium des Korans gewidmetes, von den Muslimen als heiligmäßig empfundenes Leben geführt. Dem von der korrupten osmanischen Herrschaft ausgebeuteten, von den Briten als den eigentlichen Machthabern zunehmend kolonialisierten Land gab er eine Stimme und rief schließlich den Heiligen Krieg aus. 1885 eroberte er Khartoum. Der britische Generalgouverneur Charles George Gordon fiel bei der Einnahme der Stadt. Ein halbes Jahr später starb der Mahdi in Omdurman. Lord Alfred Kitchener, der Wiedereroberer Khartoums, sollte 1898 an den Mahdisten blutige Rache nehmen.

Bertha von Suttner und Adolf Hitler sitzen im Saal

Karl Mays Mahdi ist, wie bei ihm üblich, eine herrisch-prätentiöse Figur. Die Obrigkeit hat ihn aus seinem Amt als Steuereintreiber gejagt. Mit den Sklavenjägern und händlern, denen Kara Ben Nemsi zusammen mit der ägyptischen Obergewalt den Garaus machen möchte, ist der Mahdi, selbst einst Sklavenjäger, weiterhin im Bunde. Die ganze Abgründigkeit seines finsteren Charakters zeigt sich in der Behandlung der Schwarzen, der "Neger". Freilich traktiert auch Kara Ben Nemsi sie gern als Verfügungsmasse minderer Rasse. Im Schlussband der Trilogie tritt der Mahdi dann als der finstere "Heilige" auf, der die Sklaverei als Gebot Allahs befiehlt. Unter dem grünen Banner des Propheten, dessen Emblem der "krumme, blutige Säbel", nicht der friedliche Halbmond ist, wird die Sklaverei zum Modell der angestrebten islamischen Weltherrschaft.

Dass Mays Mahdi nicht allzu viel mit der historischen Gestalt zu tun hat, versteht sich fast von selbst. So zeichnet Josef Ohrwalder, ein Missionar, der 1882 in die Gefangenschaft des Mahdi geriet, später ein ganz anderes Bild von ihm: Er "brachte uns einen Teller voll gebratenen Fleisches und aß mit der Hand mit uns. Es galt als eine besondere Gnade, wenn er mit der Hand in die Schüssel griff und den Mitessenden ein Stück Fleisch darreichte. Diese große Gnade wollte er uns erweisen, indem er jedem ein Stück Fleisch darbot. Dies war umso auffallender, da viele Muselmänner sich nie dazu verstehen würden, mit einem Christen zu essen."

In der theologischen Auseinandersetzung mit dem Mahdi erweist sich Kara Ben Nemsi stets als der bessere Kenner beider Religionen. Er hat sie studiert, während der Mahdi vom Christentum keine Ahnung hat und sich den Koran wie die Tradition, auf die er sich beruft, für seine Zwecke zurechtschustert: "So sind sie alle, diese unwissenden Muslime, [] verbissene und verständnislose Menschen." Mays Mahdi bleibt ein bösartiger Scharlatan, ein Priester, der entlarvt wird. Das hat in der europäischen Aufklärung Tradition, wird hier von May allerdings nur auf den Gegner angewendet, um die eigene Tradition desto dogmatischer zu verteidigen. Halbierte Aufklärung, ideologische Kritik religiöser Ideologie.

Prophetisch gerät die Szene, wo sie den Kampf der Religionen als Kampf der Technologien und Mentalitäten prognostiziert. Der Drohung des Mahdi, die Macht der christlichen Kolonialländer "mit Feuer und Schwert", mit der unwiderstehlichen Leidenschaft des Fanatismus zu "zermalmen", setzt Kara höhnisch die Sprache der "Gewehre und Kanonen" entgegen. "Ungeheure Riesenpanzer aus Stahl" statt "hölzerner Nilbarken" werden den Kampf entscheiden. Seine größten Triumphe feiert Karl Mays sendungsbewusstes Christentum aber nicht in Momenten der Gewalt, sondern wieder dann, wenn Muslime zum Christentum konvertieren. Hier ist es der kurdische Wanderprediger Sali Ben Aqil, der auf der Suche nach dem Messias von dessen blutiger Herrschaft grausam enttäuscht wird und den wahren Mahdi in Christus findet (dank Kara, seinem Stellvertreter auf Erden). Zwischen Mekka und Golgatha entscheidet sich der Weg des Heils.

Jenseits der Mahdi- Geschichten ist das berühmteste Beispiel Mays für sein erfolgreiches Missionswerk der Edelmensch Winnetou, der seinem geliebten Bruder in der Todesstunde ins Ohr flüstert: "Scharlih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ." Aber auch Hadschi Halef Omar, Kara Ben Nemsis Diener und Freund, der zunächst seinen Herrn zum einzig wahren Glauben bekehren will, reiht sich wie seine emanzipierte Frau Hanneh ein in die Gemeinde der Konvertiten.

Erst in den letzten Jahren seines Lebens, erst nachdem May den Orient wirklich kennen- und zu schätzen gelernt hatte, änderte sich der Ton. Jetzt überwölbt das große Verzeihen und Verstehen das Werk. Der dogmatisch verhärtete "Gewaltmensch" steigt auf, empor ins humane universalistische Reich der "Edelmenschen". In dem letzten Vortrag vor seinem Tod 1912 in Radebeul beschwor May im März 1910 in Wien diese Vision. Im Publikum saßen die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner und ein junger Künstler und begeisterter May-Leser namens Adolf Hitler.

Am Ende schwur der fabulöse Sachse dem christlichen Fundamentalismus ab. Sein Spätwerk Und Friede auf Erden! erzählt die "Genesungsgeschichte" eines aggressiven US-Missionars, der am Ende selbst die einzig wahre Bekehrung erfährt: die zu Humanität und Toleranz. Dieser Text, zunächst eingeworben für das von Joseph Kürschner herausgegebene wilhelminische Monument China – eine Festschrift auf die blutige Niederschlagung des "Boxer"-Aufstandes 1900 –, wird zur antiimperialistischen Gegenfestschrift. Sie ist Mays eindringlichstes humanistisches Manifest.

Aber noch der bekehrte Missionar schafft es, Deutschland als "Machtstaat" und zugleich als "Staat der Humanität", die germanische Rasse als "edelmenschliche" Rasse der Zukunft zu feiern. Auch bleibt es bei einem "Synkretismus unter der Dominanz des Christentums", wie der May-Experte Walter Schönthal es nennt, auf dass die ganze Erde "Christi Kirche" werde. Der arabische Diener Sejjid Omar, Mays Reisebegleiter Sejd Hassan nachgebildet, erfährt im Friedens- Roman dieselbe Konversion von einem fundamentalistischen Islam zum Christentum, die schon Hadschi Halef Omar erlebt hat. In den Bergen Chinas leuchtet schließlich ein Strahlenkreuz auf, das triumphierend auf Isa Ben Marryam, auf Jesus, den Sohn der Maria, weist, auf den "Weg und die Wahrheit": Symbol des "ewig unvergleichlichen Christentums".

Karl Mays letzte Worte sollen gelautet haben: "Sieg, großer Sieg!"

Der Autor ist Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität in Freiburg im Breisgau. Mehr zum Thema in der Ausstellung "Karl May – Imaginäre Reisen", die das Deutsche Historische Museum in Berlin noch bis zum 27. Januar zeigt (Katalog 25,– €; Info: Tel. 030/20304444)