Seit vielen Jahren fahre ich in Österreich Ski. Ich kann allein schon deswegen nichts gegen Österreich haben. Im Gegenteil, ich habe den größten Respekt vor der reichen österreichischen Nation und der großen österreichischen Kultur, oder auch umgekehrt, und den wundervollen Menschen von Österreich.

Aber warum ist Österreich im Fußball so schlecht? Das würde ich gerne wissen. Das würde auch ein gutes Thema für eine Promotion abgeben. Ich meine, es gibt dafür, dass Österreich so unglaublich schlecht ist im Fußball und hinter Usbekistan auf Platz 91 der Weltrangliste steht, keinen nachvollziehbaren Grund. Österreich ist industrialisiert, es gibt dort Geld, zumindest mehr als in Usbekistan. Österreich ist relativ klein, aber gerade kleine, kompakte Länder wie Portugal oder die Niederlande sind oft gut im Fußball, während große, komplizierte Länder wie Indien oder China es nicht bringen. Man könnte sagen: Österreich ist vielerorts bergig, alpin, eine Wintersportnation. Länder wie die Schweiz oder Norwegen beweisen aber, dass es möglich ist, gleichzeitig eine bergige Wintersportnation zu sein und im Fußball zumindest passable Leistungen abzuliefern und nicht so grottenschlechte wie dieses Österreich.

Jetzt gibt es die Möglichkeit, dass der Österreicher als solcher einfach unsportlich ist, eventuell wegen der Süßspeisen oder weil die Gesellschaft ihn so gemacht hat, oder krankhaft ehrgeizlos. Im Skifahren bringt der Österreicher doch aber immer wieder den einen oder anderen Erfolg zustande. Vielleicht mogelt er. Wenn er aber beim Skilaufen mogelt, wieso gelingt es dem Österreicher dann nicht, beim Fußball zu mogeln? Die Italiener mogeln sich doch seit 80 Jahren von Erfolg zu Erfolg.

Österreich hat die langsamsten Fußballer der Welt. Sie schießen keine Tore, weil sie es in 90 Minuten nicht auf die andere Seite des Platzes schaffen. Ich habe ein Interview mit dem österreichischen Nationaltrainer gelesen, einem gewissen Hickersberger. Hickersberger war Trainer von Bahrein und sogar schon einmal Trainer von Österreich, von seiner ersten Amtszeit ist eine 0:1-Niederlage gegen die Färöer-Inseln erinnerlich. Nachdem sein Nachfolger 0:9 gegen Spanien verloren hatte, sah man in Österreich die erste Ära Hickersberger in milderem Licht.

Hickersbergers bester Mann soll ein gewisser Leitgeb sein, der Ersatzspieler bei Red Bull Salzburg ist, weil auch bei den vollkommen belanglosen Klubs von Österreich aus Qualitätsgründen selten Österreicher spielen. Über ihn schreibt die größte Zeitung von Österreich: "Manchmal ist es besser, wenn Leitgeb nichts macht." Hickersberger sagte, kurz nach dem 0:2 gegen Chile, über seine Traineraufgabe: "Leidensfähigkeit ist absolut notwendig. Aufgeben war aber nie ein Thema. Kommt das Spielglück hinzu, gewinnen wir auch mal eine Partie." Das klingt ja depressiv. Das klingt wie das Requiem von Mozart. Außerdem sagt der Trainer: "Fußball ist ein Spiegel der Mentalität."

Jetzt muss man sich nur mal vorstellen, jemand würde behaupten, dass schwarze oder gelbe Menschen zu irgendetwas ungeeignet sind, meinetwegen zum Schachspielen, wegen ihrer "Mentalität". Das gäbe sofort eine Rassismusdiskussion von kosmischem Ausmaß. Die Österreicher sind das erste Volk der Erde, das gegen sich selber rassistische Beschuldigungen ausstößt, nur aus Bequemlichkeit, nur damit sie sich beim Fußball nicht schneller bewegen müssen. Das wichtigste Sportereignis 2008 wird die Fußballeuropameisterschaft in Österreich und der Schweiz sein.

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