Der Vertrauensvorschuss, der einem Volvo selbst von Autogegnern entgegengebracht wird, lässt sich durch folgende Szene verdeutlichen: In einer Baustelle übersah ich im rechten Außenspiegel blöderweise eine Radfahrerin. Nicht wirklich gefährlich, aber ich rechnete damit, an der nächsten Ampel einen Tritt gegen die Tür zu bekommen. Stattdessen eröffnete die Frau – randlose Brille, Radhelm, Gore-Tex-Jacke – das Gespräch in freundlichstem Ton: »Ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass Sie mich abgedrängt haben?«

Ein Teil der unerwarteten Höflichkeit ist vielleicht der Beschriftung des Wagens zu verdanken. An den hinteren Türen steht in großen grünen Lettern das Wort »Flexifuel«. Flexifuel bedeutet: Der Motor schluckt außer Benzin auch Ethanol. Klingt öko, oder? Sprit aus landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Mais oder Palmöl. Schon Henry Ford hielt Alkohol für den »Treibstoff der Zukunft«. Das sagte er, bevor die Ölbarone die Macht übernahmen.

Die Witze liegen jetzt natürlich auf der Straße: Alkohol nicht nur am Steuer, sondern gleich im Tank! Aber den Autoherstellern, besonders den schwedischen, ist es ernst. Schweden will bis 2020 unabhängig vom Ölmarkt sein. Das ist vielleicht gut für die Wirtschaft, aber ist es auch gut für die Umwelt? Die CO₂-Bilanz für Ethanol ist theoretisch neutral, weil beim Verbrennen nur freigesetzt wird, was die Pflanzen zuvor absorbiert haben. Praktisch aber wird jedenfalls bisher für Anbau und Transport so viel Energie aufgewendet, dass die CO₂-Ersparnis gegenüber fossilem Sprit sich nahezu aufhebt.

Ein großer Teil des in Schweden getankten Ethanols etwa kommt aus Brasilien. Dort verarbeitet man schon jetzt große Teile der Zuckerrohrernte nicht zu Zucker oder Cachaça, sondern zu Treibstoff. In Asien und Afrika werden Regenwälder gerodet, um riesige Monokulturen anzulegen. Der sogenannte Biosprit boomt. Aber für eine Tankfüllung, rechnen Kritiker vor, geht so viel Getreide drauf, dass davon ein Mensch ein Jahr lang satt werden könnte. In Berlin gibt es genau zwei Ethanol-Tankstellen, eine in Marzahn und eine in Spandau. Der Weg dorthin verbrennt schon mehrere Abendessen.

Das Tanken selbst geht so einfach wie beim Benzin. Mit Alkohol wirkt der Motor etwas träger, ja fast beduselt. Ansonsten fährt der V50 wie ein normaler solider Volvo. Er hat schöne Ledersitze und liegt sicher auf der Straße. Allerdings verbraucht er, wie der Bordcomputer freimütig zugibt, im Stadtverkehr rund 13 Liter. Da lässt man ihn lieber stehen und geht einen Caipirinha trinken.

Technische Daten
Motorbauart: Vierzylinder Flexifuel
Leistung: 92 kW (125 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11 s
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
CO₂-Emission: 177 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,4 Liter
Basispreis: 25.320 Euro