Die Krise an den Finanzmärkten hat die Weltwirtschaft fest im Griff. Die Banken müssen Milliardenbeträge abschreiben und horten Geld, statt es zu verleihen. Doch Krisen sind an den Märkten nicht ungewöhnlich. Sie treten immer wieder auf, wenn sich spekulative Übertreibungen gebildet haben, die einer Korrektur bedürfen. Die Frage ist, ob es gelingt, die Folgen der Krise zu begrenzen. Geht die Sache glimpflich aus, können die Anleger 2008 auf ein solides Jahr an den Kapitalmärkten hoffen – auch wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen wird und daher kräftige Kurssprünge an den Börsen wenig wahrscheinlich sind. Wenn es viel schlechter kommt, heißt es: Nichts wie raus.

Die Wirtschaftsgeschichte kennt für beide Szenarien Beispiele. Was dabei auffällt: Immer hat die Politik eine entscheidende Rolle gespielt. Der Aktiencrash in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wuchs sich auch deshalb zu einer Weltwirtschaftskrise aus, weil die verantwortlichen Behörden – Zentralbanken und Finanzministerien – tatenlos zusahen. Dagegen haben die USA und mit ihnen viele andere Länder das Platzen der Internetblase im Jahr 2000 schnell verkraftet, weil die US-Notenbank Federal Reserve zügig und aggressiv die Zinsen heruntersetzte und die Regierung die Steuern senkte.

Und heute? Fast alle Experten sind sich einig, dass viele Finanzprodukte – insbesondere solche, die auf US-Immobiliendarlehen basieren – vor dem Ausbruch der Krise im vergangenen Sommer überbewertet waren. Jetzt werden einige dieser Verwerfungen korrigiert, was vor allem die Banken zu spüren bekommen. Keiner weiß, wie tief die Institute wirklich im Schlamassel stecken. Nach Schätzungen von Bankvolkswirten könnten sich die insgesamt nötigen Abschreibungen auf 500 Milliarden Dollar summieren. Das ist ein ordentlicher Betrag, der das Eigenkapital der Institute aufzehrt. Je weniger Eigenkapital, desto weniger Kredite können vergeben werden.

Wenn aber die Banken weniger Geld verleihen, zieht das die Wirtschaft insgesamt in Mitleidenschaft. Schon jetzt haben die Institute in Europa und den USA die Kreditkonditionen verschärft. Das ist umso problematischer, weil der Geldmarkt nicht mehr richtig funktioniert. Dort sollten sich die Banken gegenseitig mit Geld versorgen, derzeit tun sie das aber kaum noch – aus Sorge vor neuen Löchern in den Bilanzen der anderen. Die Folge: Der Geldmarktzins ist gestiegen. Er bildet für viele Kreditverträge die Basis und ist daher für die Wirtschaft wichtig. Der Wert liegt aktuell deutlich über dem Leitzins, den die Zentralbanken festsetzen.

Es gibt noch andere Kräfte, die an der Weltwirtschaft zerren: Die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt bremst die Investitionen der Unternehmen in der Bauwirtschaft. Überdies haben die Turbulenzen zur Folge, dass die Verbraucher weniger Geld ausgeben. In den vergangenen Jahren konnten sich die US-Bürger stets darauf verlassen, dass sie zumindest auf dem Papier automatisch reicher werden. Ihr Eigenheim war von Jahr zu Jahr mehr wert. Inzwischen sinken die Hauspreise, weshalb die Amerikaner mehr sparen und weniger konsumieren dürften. Dazu kommt der hohe Ölpreis, der die Kaufkraft der Verbraucher in Europa und den USA schwächt. Die Europäer haben obendrein mit dem starken Euro zu kämpfen, der die Exporte bremst.

Schnell kann das die Konjunktur lähmen. Die Strategen der Helaba haben ein solches Stagnationsszenario durchgerechnet. Demnach schlittern Japan und die USA in die Rezession. Das weltweite Wachstum kann den Nachfrageausfall der beiden größten Volkswirtschaften nicht kompensieren und kühlt sich merklich ab. Es folgt ein »Ausverkauf an den Aktienmärkten weltweit«. Der Dax fällt deutlich unter 7.000 Punkte, die Rentenmärkte dagegen boomen. Dort steigen die Kurse, und die Zinsen auf Staatsanleihen nehmen Kurs auf neue Tiefststände. Der Euro schießt auf über 1,60 Dollar, eine Währungskrise kann, so die Helaba, »nicht ausgeschlossen werden«. Eine Eintrittswahrscheinlichkeit von immerhin 30 Prozent geben die Experten dieser Entwicklung.

Doch so schlimm muss es nicht kommen. Die Deutsche Bank etwa prognostiziert für 2008 nur eine leichte Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums von 5,2 Prozent in diesem auf 4,6 Prozent im kommenden Jahr. Und in der Tat gibt es Gründe, zuversichtlich zu sein. Denn die Weltwirtschaft verfügt über eingebaute Stabilisierungsmechanismen. Der hohe Ölpreis sorgt zwar dafür, dass die Konsumenten in den Ölverbraucherländern ein kleineres Budget für den Kauf von Autos, Elektrogeräten und Möbeln haben, weil sie mehr für Benzin und Heizöl ausgegeben müssen. Doch das Geld fließt in die Kassen der Ölstaaten. Die geben weniger aus als die Konsumenten in den Industrieländern, weshalb der Wirtschaft Nachfrage entzogen wird. Sie legen ihre Öleinkünfte aber an – und zwar zunehmend weltweit.