Gratulation zu der revolutionär neuen Erkenntnis, dass die existenzielle Befriedigung nicht mit der Anzahl der Güter wächst. Ein gewisser Sokrates hat allerdings schon vor Kurzem bei einem Gang über den Athener Markt festgestellt: "Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf." Ist keinesfalls länger als zweieinhalbtausend Jahre her.

Michael Serrer, Bonn

Bei aller Eloquenz und sprachlichen Brillanz geht Iris Radisch der Frage nach dauerhaftem Glück nicht wirklich auf den Grund. Es ist zu kurz gegriffen, Glück nur als eine Frage des Zeitmanagements zu betrachten. Zumal auch noch die Begriffe "Freude" und "Glück" durcheinander geraten.

Ich kann mich über das neue iPhone auf dem Gabentisch oder den geknackten Jackpot wohl freuen, ob ich damit aber glücklich werde, muss bezweifelt werden. Dass die hemmungslose Befriedigung unserer Wünsche nur das Hamsterrad des Konsums am Laufen hält, hat schon Wilhelm Busch erkannt: "ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge." Die entscheidende Einsicht ist Frau Radisch damit aber leider nicht gelungen: Die Erfahrung von Glück ist keine Frage von mehr oder weniger Konsum, Wohlstand oder Zeit. Für das wirkliche dauerhafte Glück ist es unerheblich, ob 15, 15000 oder 150000 Gegenstände meinen Haushalt füllen. Die Vorstellung, unser Glück würde proportional zur Drosselung des Konsums auf eine "Wohlstandsgrenze" zunehmen und wir könnten uns mitten ins Glück entschleunigen, ist absurd. Unabhängig von allen äußeren materiellen Lebensgegebenheiten liegen das Glück und der Weg, es zu finden, in uns selbst. Schauen wir doch einfach, statt in die neue Postwurfsendung, mal wieder in uns selbst hinein. Konsumverzicht und Entschleunigung können dabei allenfalls Katalysatoren zur Schärfung des Blicks und zur Läuterung der Sinne sein.

Dr. Joachim Hacker, Eisenbach

Bitte mehr davon! Das ist unbedingt die Richtung, in die es gehen muss! Allerdings gebe ich noch zu bedenken, dass Entschleunigung nur für diejenigen eine Möglichkeit ist, die mit dem, was sie verdienen, auch auskommen können. Ich habe den Eindruck, dass viele nicht mehr darüber nachdenken müssen, ob sie sich jenes oder dieses leisten wollen sie können es nämlich gar nicht (mehr).

Andreas Kringe, Köln