Als Peter Löscher von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im Mai als neuer Vorstandsvorsitzender der Siemens AG präsentiert wurde, war die Überraschung perfekt. Der 52-jährige Österreicher, zuletzt im Vorstand des US-Pharmakonzerns Merck & - Co., war in Deutschland kaum bekannt.

Dabei hatte der Wirtschaftswissenschaftler seine ersten Karriereschritte beim deutschen Chemieriesen Hoechst absolviert, bevor er über einige Stationen beim Siemens-Konkurrenten General Electric zu Merck stieß.

Entsprechend groß war die Skepsis, ob Löscher der richtige Mann sei, um den Ruf des Unternehmens zu retten. Der Siemens-Konzern steckt im größten Korruptionsskandal seiner 160-jährigen Geschichte. Doch im ersten halben Jahr auf der Chefetage hat sich der besonnene Österreicher als konsequenter Aufräumer erwiesen. Da ihm sein in Ungnade gefallener Vorgänger Klaus Kleinfeld ein gut laufendes operatives Geschäft hinterließ, konnte er sich darauf konzentrieren, die Organisation zu vereinfachen und klare Verantwortungen zu schaffen. Außerdem soll die Profitabilität in allen Sparten weiterhin deutlich steigen. Allerdings könnten ihm die Spätfolgen der Korruptionsaffäre noch einen Strich durch die Rechnung machen.