Es gibt ein Schicksal, das alle Erfindungen zu teilen scheinen, auch und gerade die Fotografie, die ja im Mittelpunkt dieser Kolumne steht: Ursprünglich gut gemeint, werden sie schnell zum Mittel der Macht. Wie viele Revolutionäre starben in Sowjetzeiten den Retuschetod? Wie viele Warzen verschwanden in Wahlkampfzeiten?

Irgendwann war ausgerechnet das Pararazzibild, dies hässliche Kind der hohen Kunst, letzter Wahrheitslieferant aus der Welt der Mächtigen. Doch spätestens Nicolas Sarkozy hat auch das zur Illusion gemacht: Frankreichs Präsident war in Bedrängnis, seit er Libyens Öldiktator Gadhafi allzu höflich durch Paris hofierte. Was tun? Mit der neuen Freundin Carla Bruni (und dem Jet eines befreundeten Geschäftsmanns) nach Ägypten fliegen - und sich dort erwischen lassen, in In-flagranti-Optik! Monsieur hat sich die Brille von Tom Cruise geliehen, Madame sich die Gestik von Grace Kelly. Seither staunt Frankreich über den Parvenü im Präsidentenamt. Und die Wahrheit ist nicht mehr im Bild zu finden, sondern in den Worten eines Satiremagazins: 'Von Libyen zur Libido'.