Warme Winter, Jahrhundertsommer, eindringliche Appelle der UN, sogar ein Friedensnobelpreis. Das Thema globale Erwärmung hat es in den vergangenen Jahren an die Spitze der politischen Agenda geschafft. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte "Klimakatastrophe" gar zum Wort des Jahres 2007.

Doch auch hinter jenem scheinbar schon in all seinen Facetten durchgekauten Problem verbergen sich Aspekte, die bislang hauptsächlich in Expertenkreisen diskutiert werden. Hildegard Aichberger, Chefin des World Wildlife Fund, vermisst etwa in der öffentlichen Debatte konkrete Vorschläge für die Förderung von Hybridautos oder Maßnahmen gegen den weltweiten Artenverlust durch die globale Erwärmung. Außerdem fehlten Überlegungen zu der "Ausbreitung von Krankheiten durch den Klimawandel". Die Verbreitungsgebiete von Malaria, Dengue-Fieber oder des Erregers der Frühsommer-Meningoenzephalitis wachsen beständig. Forscher vermuten, dass die globale Erwärmung ihre Ausbreitung begünstigt. Das bisher bekannteste Beispiel ist die Asiatische Tigermücke, in den Tropen ein klassischer Überträger des Dengue-Fiebers. Sie reiste in den vergangenen 20 Jahren aus den tropischen Gebieten bis nach Italien. Im Dezember wurden erste Exemplare in Deutschland gesichtet.

Der Klimawandel verändert nicht nur die Lebensräume von Mikroben und jenen Lebewesen, die ihnen als Überträger dienen. Gewerkschafter Claus Faber meint, dass die Besiedelbarkeit von Regionen ein dominierendes Thema der kommenden Jahre sein werde. Dabei geht es aber nicht darum, dass weite Teile Bangladeschs ins Wasser bröckeln oder Spanien langsam austrocknen könnte. Faber blickt nach Österreich: "Permafrostböden von Gletschern lösen sich auf. Zum Beispiel im Stubaital." Durch das Schmelzwasser aus den sterbenden Gletschern könnten immer mehr Berghänge instabil werden. Faber befürchtet, große Teile des touristischen Tales könnten wegen Vermurung unbewohnbar werden.

Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, skizziert eine weiterführende, ökonomische Klimadiskussion: Die Abwanderung produzierender Betriebe in Schwellenländer hält er für klimaschädlich.

"Das zeigt sich vor allem im Vergleich von EU-Ländern mit China", meint Beyrer. So gehöre Österreich zu den Ländern mit dem niedrigsten CO-Ausstoß pro Kopf. " Je mehr also in Österreich produziert wird, desto besser für das Weltklima", folgert der Industriellenvertreter.

"Ein Abwandern österreichischer oder europäischer Industrieproduktion in Länder mit geringeren Auflagen würde daher nicht nur massiv Wohlstand und Beschäftigung kosten, sondern auch zu einem Anstieg der globalen CO-Emissionen führen."

"Die Klimadiskussion bleibt uns sicher erhalten", meint Winzer Willi Bründelmayer, der die Auswirkungen in den eigenen Weinbergen studiert.