In seinen Aphorismen zur Lebensweisheit schreibt Arthur Schopenhauer: »Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen. Meine gegenwärtige Betrachtung auszudrücken, wäre aber das folgende Gleichniß am geeignetsten. Es ist im Leben wie im Schachspiel: wir entwerfen einen Plan: dieser bleibt jedoch bedingt durch das, was im Schachspiel dem Gegner, im Leben dem Schicksal zu thun belieben wird. Die Modifikationen, welche hierdurch unser Plan erleidet, sind meistens so groß, dass er in der Ausführung kaum noch an einigen Grundzügen zu erkennen ist.« BILD

In der Schachzeitschrift Karl führt der Wiener Philosophieprofessor Ernst Strouhal aus, dass der Vergleich des Lebens mit dem Schachspiel Schopenhauer zur Akzeptanz des unberechenbaren Zufalls diente. Wohl ist der Zufall eine »böse Macht«, das Leben eine »mißliche Sache«, besser vielleicht, man wäre nicht geboren und man spielte im Angesicht des eigenen Todes eine aussichtslose Partie. (Samuel Beckett lässt grüßen.) Aber das ist kein Grund, sonderlich traurig zu sein. Wie das Schachspiel ist das Leben im Grunde profan, alle Partien terminiert der je individuelle Tod, sie sollten deshalb in der Gewissheit der Endlichkeit gespielt werden.

Wohl dem, der sich mit Gleichmut über das Schachbrett beugen und die unberechenbaren »Zufälle« annehmen kann. Als Herr Eugen Richter vom Schachklub Schwarzenbach am Wald als Weißer siegessicher vor dieser Stellung saß – wie soll Schwarz das Matt durch g6+ nebst Df8 verhindern?–, wurde er von einem unglaublichen Zug seines Gegners Klaus Eger vom Schachklub Hof erschüttert: Plötzlich war es remis! Wie kams?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 01
Mit welchem (Opfer-)Zug eroberte Schwarz mindestens die weiße Dame oder setzte gar matt? Es war das Turm-opfer 1…Te2!, welches die weiße Dame vom wichtigen Feld d4 ablenkt. Nach 2.Dxe2 Dd4+ 3.Ka3 Dc3+ 4.Tb3 Ta5 war es matt. Auch 2.Thd1 Tc2+! hätte zum sofortigen Matt (auf a2) geführt, nur die (sinnlose) Damenaufgabe mit 2.Ka1 hätte das Matt etwas hinausgezögert BILD