Das Kuriose am Sprachwandel ist, dass sich nicht nur die Wörter wandeln, sondern auch die Tücken ihres Gebrauchs. So prangerten Sprachpfleger alter Schule gern den falschen Gebrauch des Wörtchens "insofern" mit den Konjunktionen "weil" und "dass" an und predigten die Verwendung des korrekten "als" in Sätzen wie: "Silvester war insofern schön, als wir drei Kisten Knaller hatten." Doch dieses Problem wird sich insofern bald erledigt haben, als insofern nur noch selten in seiner ursprünglichen Funktion gebraucht wird, nämlich zum Zweck der einschränkenden Begründung: "Weihnachten war anstrengend, insofern wir drei Kilo Plätzchen essen mussten." Immer mehr Menschen sagen stattdessen: "Ostern wird hektisch, weil dreißig Verwandte uns besuchen. Insofern!" Im Alltag dient insofern hauptsächlich als Interjektion. Es ist fast immer ein überflüssiger Zusatz und wird gern dort nachgeschoben, wo man einen Punkt machen könnte, aber stattdessen seine Bereitschaft zum Weiterplappern signalisiert. Insofern werden die sprachpraktischen Probleme nie weniger, auch wenn welche verschwinden. Evelyn Finger

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio