Der Knut nach Knut – Handaufzucht inklusive Privatpfleger und Massenhysterie: Das ist der Albtraum eines jeden Zoodirektors. Für den Nürnberger Tierparkchef ist er jetzt beinahe Wirklichkeit geworden, und zwar gleich doppelt. In Nürnberg waren zwei Eisbärenweibchen trächtig, das hieß unter Umständen gleich vier neue Knuts. Das verkraftet der stärkste Zoo nicht.

Direktor Encke entschied sich zunächst gegen das Berliner Modell und für die Empfehlung des Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramms EEP, das die Nachwuchspflege »wie in der Natur« den Tiermüttern überlässt. Mutter Vilma hat aber das Ziel des EEP offenbar nicht verstanden und ihren Nachwuchs verspeist. In Gefangenschaft kommt das häufiger vor; Zoos sind trotz EEP eben nicht »wie die Natur«. Dem Druck der wieder ausgebrochenen Knutomanie aber hielt Encke nicht stand und verurteilte das Baby von Bärin Vera zu einem Knut-Schicksal. Wann werden Zoodirektoren endlich den Mut fassen, auf Eisbärenhaltung zu verzichten? Sie bewegt sich ohnehin am Rande der Tierquälerei.