Ehrgeizig die Möglichkeiten der Zeit nutzend hatte es der Vater, Sprössling einer Familie von Webern und Schneidern, durch fleißiges Absolvieren von Kursen zum Advokaten gebracht. Der jüngste Sohn sollte noch weiter aufsteigen, womöglich durch ein regelrechtes Studium. So gab er den temperamentvollen und zu wilden Streichen neigenden Jungen mit 15 Jahren einem Anwalt in die Lehre. Der Sohn zeigte jedoch keinerlei Neigung für die Juristerei und brach die Ausbildung nach zwei Jahren ab, kaum dass der Vater gestorben war. Er war vom Drang nach Ruhm getrieben, und wo ließ sich dieser besser erwerben als in der Armee! Trotz kränklicher Konstitution trat er in militärischen Dienst, dort aß er aus dem Blechnapf der gemeinen Soldaten, bevor er sich hervortun konnte. Bluthusten zwang ihn zu langem Urlaub, und seine erste Schlacht überlebte er nur dank eines Arztes, der Lebenszeichen an ihm entdeckte, als er schon in der Leichenbaracke lag.

Bei seinen Kameraden und Untergebenen war er beliebt, er besaß die Gabe der Rede, blieb dabei aber glaubwürdig, denn immer ging er mit gutem Beispiel voran. Dass er bei einer Einquartierung von einem reichen Tuchhändler abgewiesen wurde, der meinte, er habe »Anrecht auf einen Offizier«, wurmte ihn. Militärischen Erfolg nutzte er geschickt politisch, dabei half ihm sicher auch seine Eloquenz: »Reden ist Handeln, und ohne die Sprache wirken die schönsten Taten nichts!« Bald kam man nicht mehr an ihm vorbei. Kaum einem wurden mehr Ämter angeboten. Er wurde Gouverneur eroberter Territorien, Gesandter, Kriegsminister – keinen seiner vielen Posten hielt er jedoch über längere Zeit.

Als 35-Jähriger zog er sich für ein Jahr ins Privatleben zurück, heiratete die Tochter des hochnäsigen Tuchhändlers, verkehrte mit wichtigen Leuten und ging spazieren, während sein großer Gegenspieler die Fäden der Macht in die Hand nahm. Mit ihm war er nun verschwägert, aber der Grund, warum dieser ihm einen hohen Rang antrug, war wohl der Verdacht, er könne zu unabhängig werden. »Es gibt keinen Ruhm außer bei ihm, durch ihn – und leider auch für ihn allein«, schrieb er seinem Bruder und – nahm an.

Dennoch bewahrte er seine Eigenständigkeit und gestaltete seine jeweilige Funktion nach eigenen Vorstellungen. Als »heftiger Charakter, aber edelmütig, uneigennützig und wohlwollend« wurde er beschrieben. Auch im Ausland war man auf ihn aufmerksam geworden, wieder wurde ihm ein Amt angeboten, diesmal auf Lebenszeit. Das hieß, sein Land zu verlassen, sich womöglich sogar gegen die geliebte Heimat wenden zu müssen – aber auch gleiche Augenhöhe mit dem verschwägerten »Cousin«. In seiner neuen Würde wirkte er an dessen Untergang mit, lehnte es jedoch ab, sein Nachfolger zu werden. »Mein persönlicher Ehrgeiz ist, wie ich gestehe, sehr groß. Er bedeutet, der Sache der Humanität zu dienen.« Aus dem militärischen Karrieristen war ein Friedensfürst geworden, der den letzten Krieg seiner neuen Heimat führte. Wer wars?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 02
Es war John Lennon (1940 bis 1980), der gemeinsam mit Paul McCartney die Beatles gründete. Sie hatten ihre ersten Erfolge an der Großen Freiheit in Hamburg. 1968 ließ sich Lennon von seiner Frau Cynthia scheiden und heiratete im Jahr darauf Yoko Ono. 1970 trennten sich die Beatles, und John Lennon hatte 1971 mit dem Album »Imagine« seinen größten Solo-Erfolg