»Museion« – Ort der Musen, geweihte Stätte in der Antike. Die Wandlung des Begriffs vom klassischen Altertum bis zur Gegenwart hat die italienische Kunsthistorikerin Giulia Camin auf ihrer Reise zu den Hochburgen der Sammlerleidenschaft untersucht. Wie verstaubte Depots der Erinnerung zu Publikumsmagneten wurden, wie das Museumswesen der Postmoderne und spektakuläre Architektur einander bedingen, zeigt Camin anhand von mehr als vierzig Porträts weltberühmter Kunstpaläste. Das British Museum – 1753 in London eröffnet – erfährt ebenso Beachtung wie das 2006 eingeweihte Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart. Ob Prado, Eremitage oder Uffizien, ob Frank O. Gehrys Meisterwerk in Gestalt des Guggenheim-Museums (Bilbao) oder die Londoner Modern Tate – mit exquisiten Fotos renommierter Architekturfotografen und kundigen Texten feiert Camins Band die hohe Kunst des Sehens. CS

Giulia Camin: »Museen der Welt, Welt der Museen«
Aus dem Italienischen von Alexandra Hoi; White Star Verlag, Wiesbaden 2007; 304 S., 29,95 €

Die Wasserkuppe ist gerade mal 950 Meter hoch, aber ihre Geschichte macht sie zu einem großen Berg. Vor allem, weil ihre Hänge die Startbahnen für die Pioniere des Segelfluges waren. Es gibt also viel zu erzählen über Hessens höchsten Berg, und das macht Joachim Jenrich, Diplom-Biologe im Dienst des Biosphärenreservates Rhön, gründlich. Auch mit Hilfe von Ko-Autoren liefert er ein geologisch-geschichtliches Panorama von fernen Erdenzeiten bis zu jüngsten lokalpolitischen Entwicklungen. So viel Detailbesessenheit ist fast ausgestorben im Zeitalter der Kompaktführer. Nun wird nicht jeden das Schicksal der Fledermausfauna interessieren, aber eine exakte Gliederung macht die Auswahl des Lesestoffs leicht. Und so findet man auch zu den penibel darstellenden Seiten über die Rhön in der NS-Zeit – was ja kein gängiges Thema in touristischen Publikationen ist. Respekt vor so viel Recherche. Alb

Joachim Jenrich: »Die Wasserkuppe. Ein Berg mit Geschichte«
Verlag Parzeller, Fulda 2007; 408 S., 26,90 €

Norwegen hat zwei offizielle Schriftsprachen – und Straßen mit Fußbodenheizung. Mitternachtssonne und idyllische Natur repräsentierten keinesfalls das »wahre« Norwegen, meint die Halbnorwegerin Ebba D. Drolshagen. Zu dem gehöre zum Beispiel viel mehr die nationalistische Partei FRP. Fachkundig und selbstironisch beschreibt die Autorin die Eigenarten des Landes. So ist eine vergnügliche Lektüre entstanden, die auch weniger Bekanntes vermittelt – wie die Antwort, warum die Einwohner ihr Land Norge, aber auch Noreg schreiben. Schuld ist Dänemark, zu dem Norwegen im 14. Jahrhundert gehörte. Die Norweger wollten statt des Dänischen eine eigene Schriftsprache haben. Sie schufen Bokmål, welche das Dänische an die norwegische Aussprache anpasste, und Nynorsk, eine künstliche Schnittmenge verschiedener Dialekte. Beide gelten heute gleichberechtigt nebeneinander. HF

Ebba D. Drolshagen: »Gebrauchsanweisung für Norwegen«
Piper Verlag, München 2007; 208 S., 12,90 €