Die Zahlen sprechen für sich. Seit sieben Jahren steigt in Deutschland der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch. 2005 lag er bei fast 6 Prozent. In Großbritannien dagegen dümpelt die Branche vor sich hin. Zum Energieverbrauch steuerte sie im Jahr 2005 ganze 1,3 Prozent bei. Tendenz stagnierend.

Der Grund für die ungleiche Entwicklung: In Deutschland erhalten alternative Produzenten feste Vergütungen für die Einspeisung ihres Stroms und genießen deshalb Planungssicherheit, während ihre englischen Kollegen den Unbilden des Marktes ausgesetzt sind. London fördert grünen Strom nämlich anders als Berlin: per Quote und mit einem Zertifikatehandel.

Jeder Stromerzeuger muss nach dem britischen System einen bestimmten Anteil seines Stroms durch erneuerbare Quellen decken. Das kann er entweder durch eigene Produktion oder dadurch, dass er sich Zertifikate kauft. Doch das System funktioniert nicht. Weil die Preise für alternativen Strom schwanken, halten sich die Investoren zurück. Zudem reichen die Erzeuger den Risikoaufschlag der Kreditgeber an die Kunden weiter, was das Geschäft teuer macht. Die Produktion von "grünem" Strom verharrt deshalb bei weniger als 5 Prozent. Eigentlich wollten die Briten bis 2010 das Doppelte erreichen.

In Deutschland dagegen boomt die Branche – dank des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG), das nicht nur die vorrangige Einspeisung von grünem Strom ins Netz garantiert, sondern obendrein auch Einspeisevergütungen, die nach Technologien differenziert sind.

Doch nun droht Gefahr. Zwar haben die 27 EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen, den Anteil der erneuerbaren Energien am EU-weiten Energieverbrauch von derzeit 8,5 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 zu steigern. Doch wie das zu organisieren ist, ließen sie offen. Energiekommissar Andris Piebalgs liebäugelt mit einem System, das dem britischen ähnelt. Er will in ganz Europa den Handel mit Zertifikaten für grüne Energie ermöglichen. Einzelne Länder könnten dann ihre Quoten auch dadurch erfüllen, dass sie außerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen für die Produktion von mehr Ökoenergie sorgten. Wegen massiver Kritik aus Deutschland hat Piebalgs seinen Vorschlag zwar modifiziert; einzelne Länder sollen den Handel beschränken dürfen. Doch der juristische Dienst der EU hat den Kommissar jetzt wissen lassen, dass es im europäischen Binnenmarkt ein solches Mischsystem nicht geben könne. Welchen Vorschlag Piebalgs am Mittwoch kommender Woche präsentieren wird, ist deshalb noch vollkommen offen. Sophie Büning