Geschichte verbindet. "Wer in einer romanischen Krypta in Kärnten steht, der soll wissen, dass eine Krypta im Burgund ganz ähnlich aussieht", sagt Juliane Koch, Geschäftsführerin des Vereins Transromanica in Magdeburg. Der Verein hat sich der Romanik und ihrem Erbe verschrieben und will dafür sorgen, dass es bekannter wird. Als "sinnstiftendes Element der europäischen Kultur" könne es über Grenzen hinweg ein Bewusstsein für gemeinsame Wurzeln schaffen, ja die Einigung von Ost und West vorantreiben, glaubt Juliane Koch.

Gerade hat der Europarat die Transromanica zur Europäischen Kulturstraße erklärt. Der Jakobsweg, auf dem Menschen aus ganz Europa wandern, trägt diesen Titel schon seit zwanzig Jahren. Die Transromanica allerdings ist eine imaginäre Route. Sie wurde erdacht, um Bauwerke aus der gleichen Zeit zu verknüpfen. Die um 950 einsetzende Romanik war die erste einheitliche Kunstepoche des Mittelalters. Zwischen Ostsee und Mittelmeer, Seine und Saale entstanden in den folgenden drei Jahrhunderten Kirchen mit klobigen, festungsartigen Mauern, kleinen Fenstern und Rundbögen zwischen den Schiffen.

Auf diese Steine lohne es sich zu bauen, dachte man bei der EU und förderte von 2004 bis 2006 mit 1,3 Millionen Euro ein Projekt, in dem fünf Regionen ein Netzwerk zur Entwicklung und touristischen Vermarktung ihres romanischen Erbes knüpften. 700.000 Euro trugen die Projektpartner bei. Die Idee kam aus Sachsen-Anhalt, wo man seit 1993 gute Erfahrungen mit der Straße der Romanik macht. Gemeinsam mit Vertretern aus Thüringen, dem österreichischen Bundesland Kärnten, Italiens Provinzen Modena, Parma und Ferrara sowie Slowenien wurden 26 bedeutende Bauwerke ausgewählt und in Broschüren und im Internet vorgestellt. Daneben hat das Netzwerk unter anderem eine Studie zur Romanik und eine Anleitung für Reiseveranstalter mit Routenvorschlägen veröffentlicht.

Nach dem Ende der Förderung setzt der aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierte Verein Transromanica die Arbeit des Netzwerks fort. Von einer realen Straße ist das Projekt aber noch weit entfernt. Schließlich liegen die Regionen nur zum Teil nebeneinander – und mit Spanien, Burgund und Serbien sind soeben neue hinzugekommen. In verschiedenen Stufen sollen nun einzelne Zonen verbunden werden. In Planung ist zum Beispiel ein Romanik-Radweg, der in Regensburg beginnt und durch Österreich führt.

Reisevorschläge kann man sich aber jetzt schon auf der Homepage www.transromanicaserver.de holen. Dort gibt es ausführliche Beschreibungen zu den ausgewählten Baudenkmälern der fünf Gründungsregionen. Neben den bekannten Domen in Magdeburg, Naumburg und Halberstadt in Sachsen-Anhalt ist dort auch die eher Insidern vertraute Klosterruine Paulinzella südlich von Weimar zu finden. Kärnten ist unter anderem mit der Burgenstadt Friesach und der Kirchenhalbinsel Wörth, einem frühmittelalterlichen Missionszentrum, vertreten. Aus Slowenien sind zum Beispiel das romanische Schloss Podsreda oder das Zisterzienserkloster in Stična aufgenommen, die älteste erhaltene Abtei des Ordens in Südeuropa, aus Italien sind etwa San Silvestro in Nonantola oder die Kathedrale und das Baptisterium in Parma dabei.

Die touristischen Angebote zum Thema Romanik sind bislang noch auf einzelne Regionen beschränkt. Die Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt erschließt auf einer Nord- und Südroute alle entsprechenden Sehenswürdigkeiten im Land. Im Kloster Memleben im Süden des Bundeslandes freut man sich über die Initiative. Viele der jährlich 18.000 Besucher fänden nur über die Straße der Romanik ihren Weg her, sagt Andrea Stock, Geschäftsführerin des Kloster-Museums. Dabei sei der Ort doch national bedeutsam, starben hier schließlich die beiden deutschen Kaiser Heinrich I. und Otto der Große. Ottos Herz liege alten Chroniken zufolge sogar in Memleben begraben.

Mit Bezug auf die Transromanica bietet auch der Verband der Kunststädte der Emilia-Romagna Pauschalarrangements in Modena, Parma und Reggio Emilia an: Zwei Übernachtungen in Modena, Stadtführung, Eintrittsgelder für Dom, Museo Civico, Galeria Estense kosten ab zwei Personen beispielsweise je 110 Euro (Modenatur Tel. 0039-059/22022).