DIE ZEIT: Frau Professor Kemfert, wir würden so gerne einmal aufatmen. Doch ist der Tarifstreit bei der Bahn nun wirklich zu Ende, oder geht er nur an anderer Stelle weiter?

Claudia Kemfert: Schwer zu sagen, vermutlich geht er wohl weiter. Die Lokführergewerkschaft steht vor dem Abschluss. Doch die anderen Bahngewerkschaften haben schon gesagt, dass ein solch hoher Abschluss sie ihrerseits zum Nachverhandeln zwingt.

ZEIT: Eine dieser beiden anderen Gewerkschaften heißt Transnet, und die sagte heute der ZEIT, sie habe schon durch Nachverhandlungen über neue Entgeltstrukturen ein Ergebnis erreicht, das in etwa dem der GDL entspricht. Also mehr als die ursprünglichen 4,5 Prozent. Die Lokführer haben, aufs Jahr gerechnet, vielleicht acht Prozent. So groß sei der Unterschied nicht, meint Transnet. Wer rechnet sich da die Sache schön?

Kemfert: Ich kann nur sagen, es wäre gut für die Bahn, wenn jetzt tatsächlich Ruhe einkehrte. Glauben kann ich es aber noch nicht.

ZEIT: Was bedeutet der mögliche Abschluss mit den Lokomotivführern für die Bahn?

Kemfert: Sie selbst schätzt, dass durch die Lokführer Mehrkosten von 400 Millionen Euro im Jahr auf sie zukommen. Das ist realistisch.

ZEIT: Wäre es wirklich schlimm für die Bahn, wenn ein kleiner Teil der Mitarbeiter deutlich mehr Geld erhielte?