Ein Senegalese in Österreich: Der heute 56-jährige Amadou Sow lernte als Kind die Langeweile kennen und beschloss, Künstler zu werden.

Inselleben. Wer auf einer kleinen Insel aufwächst, erlebt etwas Besonderes. Wohin er auch blickt, er ist von Wasser umgeben. Und immerzu bildet die Wasserlinie seinen Horizont. Wer da nicht lernt zu träumen, wer sich da nicht zum Künstler oder zum Dichter entwickelt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Ich bin drei Kilometer vor Dakar auf Gorée aufgewachsen. Mitten im Atlantik. Die Insel ist nicht einmal einen Kilometer lang und nur 300 Meter breit. Es gibt keine befestigte Straße, keine Fahrzeuge und auch sonst nicht viel. Schon als kleiner Bub wusste ich gut, was Langeweile ist und wie man sie vermeiden kann. Ich zeichnete mit Kreide auf Granit. Kaum war ich mit einem Bild fertig, hat die Flut es wieder fortgespült. Später schrieb ich in den Sand. Und damit mir das Wasser meine Geschichten nicht wegnimmt, merkte ich sie mir. Meine Eltern schickten mich ins Sacre Coeur, ich sollte Buchhalter werden. Aber ich wollte meinen Traum, Künstler zu werden, nicht mehr loslassen. Später förderte mich Leopold Senghor, der Präsident des Senegals, aber auch Dichter, Kunstkritiker und Lateinprofessor war. Schon während meines Studiums am Institut der Schönen Künste in Dakar wurden meine Bilder in Rom, Brüssel und Paris ausgestellt. Senghor brachte mich über seine Freundschaft mit Bruno Kreisky nach Wien an die Akademie. Ein senegalesischer Freund und ich wurden so die ersten schwarzen Studenten am Schillerplatz. Wir sollten als Botschafter der Kulturen wirken.

Kren in Afrika. Meine Frau ist Niederösterreicherin. Meine Tochter studiert in Paris, mein Sohn in Wien. Ich habe ein Atelier im 3.

Bezirk. Meine Bilder verkaufe ich vor allem im Senegal, wo ich auch als Kurator für die Biennale der afrikanischen Kunst in Dakar tätig bin. Dort bin ich ein Matador, während mich in Wien als Künstler nur wenige kennen. Seit einigen Jahren betreibe ich ein zweites Atelier am Rosa See nahe Dakar. Das Land, das ich dort gekauft habe, lag ursprünglich brach. Mittlerweile habe ich über 5000 Bäume gepflanzt.

Wenn ich in Wien ein interessantes Gewächs sehe, nehme ich es mit in den Senegal. So wachsen in meinem privaten Forschungslabor neben heimischen Pflanzen diverse europäische Tomatensorten, Krenwurzeln und Rosen aus Tulln.

Man muss an solch magischen Orten nur offen genug sein, dann prägt einen die Natur. Man beginnt mit Steinen und Sträuchern zu sprechen.