Wer sich über Modewörter empört, sollte bedenken, dass die meisten, selbst die ärgerlichsten, morgen wieder verschwunden sein und schon übermorgen die nostalgische Signatur einer Epoche bilden werden, mit Hilfe derer man sich gerührt an unsere Gegenwart erinnern wird. Dem Asset-Management wird es nicht anders ergehen als der Kraftdroschke und den Human Resources nicht anders als der Kaderreserve. Vielleicht werden manche Ausdrücke, die für uns geradezu die Essenz aktueller Dummheit enthalten, sogar eines Tages den unwiederbringlichen Charme leichterer Tage heraufbeschwören – wie es heute der altösterreichische Tachinierer (Tagedieb) tut, der die Assiette (Haltung) des alten Habitués (Schwerenöters) frappant (verblüffend) findet. Nicht immer übrigens ist die umgangssprachliche Bedeutung aus der Etymologie herzuleiten; um den Tachinierer (auch Tachineur) ist ein regelrechter Forschungsstreit entbrannt, und ob sich jemals wieder das Krasse, das Krassfette oder Endkrasse der jüngsten Vergangenheit erschließen wird, scheint mehr als fraglich. Jens Jessen

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