Als das Auto in meiner Berliner Straße so quadratisch praktisch metallicblau neben einem alten dunkelgrünen Volvo und einem frisch verchromten Käfer stand, war es mir ein bisschen peinlich. Kann es sein, dass deine Kollegen coolere Autos testen?, fragte Beifahrer A. Und ich muss sagen: Ja, kann durchaus sein.

Ich hatte der Redaktion gestanden, dass ich im richtigen Leben einen uralten Opel Corsa fahre, silbern, zwei Türen, nicht mal mit Zentralverriegelung. Ein unkomfortables Autochen, das auf der Autobahn mehr Benzin verbraucht als ein Kleinlaster. In der Redaktion haben sie deshalb wohl gedacht, dass ich mich über jeden Testwagen freue, der bei 120 km/h nicht auseinanderfällt. Dabei hatte ich immer geglaubt, Autos testen sei ein bisschen so wie sich verkleiden.

Solide Familienväter setzen sich für diese Kolumne in Sportwagen und freuen sich, dass ihnen endlich mal wieder eine Frau hinterherschaut. Jungredakteurinnen steigen in Limousinen, die sie sich nicht einmal leisten könnten, wenn sie ihren Chef heiraten würden. Na ja.

Beifahrer A und ich sind mit dem quadratisch praktischen metallicblauen Toyota Corolla Verso zur Verwandtschaft nach Bayern gefahren und haben die Strecke, für die wir sonst acht Stunden brauchen, in sechs geschafft. Denn das Auto, das aussieht, als wäre es dafür gemacht, vor einem Reihenhaus zu parken, lag selbst bei strömendem Regen selbstbewusst auf der Straße, bei einem für unsere Verhältnisse sensationellen Verbrauch von sieben Litern. Vor jeder Baustelle wurden wir zudem von einer ungemein verruchten Damenstimme aus dem GPS gewarnt.

Die Verwandtschaft war begeistert. Ein Fünftürer, wie praktisch! Da passt ja hinten ein Kinderwagen rein! Am nächsten Tag sahen wir das Vorgängermodell in Metallicgrün – hintendrin eine Rolle Klopapier unterm braun-gelben Häkelhut.

Ob sie glaube, dass einen so ein Auto zum Spießer mache, fragte ich meine Freundin B, als wir zurück in Berlin waren. B, die gerade einen langen Aufenthalt in Namibia hinter sich hatte, sagte, dort sei der Corolla das mit Abstand beliebteste Auto. In Namibia und überall sonst, wo die Menschen Autos brauchen, um von einem Ort zum anderen zu fahren, und nicht, um ihr Selbstbewusstsein aufzupolieren. Und sie hat recht. Der Corolla ist ein Mittelklasseauto für Mittelklasseleute. Doch könnte das Navigationssystem in der nächsten Auflage bitte einen männlichen Sprecher haben? Schließlich sitzt in der modernen Mittelklassefamilie gelegentlich die Frau am Steuer. Und so viel Eitelkeit muss sein.

Technische Daten:
Motorbauart: Vierzylinder Turbodiesel
Leistung: 100 kW (136 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
CO₂-Emission: 173 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,6 Liter
Basispreis: 23.000 Euro