Endlich ein politischer Film aus dem Herzen Hollywoods, bei dem erwachsene Zuschauer sich fürs Lachen nicht schämen müssen: Der Krieg des Charlie Wilson ist ein Schauspielerfilm, der es in Frechheit, Komplexität und Dialogdichte mit den großen TV-Serien von heute aufnimmt. Das ist auch kein Wunder, denn das Skript stammt von Aaron Sorkin, dem Erfinder der Fernsehserie West Wing, die in den letzten Jahren das politische Fernsehspiel revolutioniert hat. Hollywood, könnte man hoffen, hat endlich den Schuss gehört und rüstet nach, indem es die größten Fernsehtalente anwirbt.

Und noch eine gute Nachricht: Mike Nichols, kein ganz Großer, aber einer der interessantesten Regisseure der letzten Jahrzehnte, hat sich endlich wieder auf die große Leinwand verlegt. Auch er hat zuletzt nur noch im Fernsehen zeigen können, was in ihm steckt: in der fantastischen Miniserie Angels in America nach dem Theaterstück von Tony Kushner. Nichols’ ausgeprägter Sinn fürs Groteske, spürbar in seiner Vietnam-Satire Catch-22, und die erfrischende Frivolität seines größten Erfolgs, der Reifeprüfung, scheinen bei seinem neuen Film erfreulich durch.

Ein amerikanischer Kongressabgeordneter steht im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan vor Hunderten von Gotteskriegern und ruft: »Allahu Akbar!« Erst ein bisschen zögerlich, dann begeistert. Eigentlich ist der Mann ein strammer Evangelikaler und als solcher kein natürlicher Muslimfreund. Aber er hasst die Kommunisten. Und das tun die afghanischen Mudschahedin auch, denn die Russen haben ihr Land besetzt. Also stimmen die Gotteskrieger in Doc Longs Ruf ein: »Allahu Akbar!« Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der Abgeordnete Long wird die islamischen Freiheitskämpfer mit Stinger-Flugabwehrraketen versorgen, die sie beim Aufstand gegen die sowjetischen Invasoren brauchen.

Dies ist nur eine der vielen herrlich grotesken, aber leider nur allzu wahren Szenen, mit denen Mike Nichols’ neuer Film gespickt ist – Szenen, bei denen man denkt: Ja, so könnte es angefangen haben, unser Verhängnis, in dem wir noch für Jahre und Jahrzehnte stecken werden.

In einer Szene sagt ein CIA-Mann: »Amerika führt keine religiösen Kriege. Darum liebe ich dieses Land.« Charlie Wilson aber ahnt in einem Moment großen Weitblicks: »Früher oder später wird Gott auf beiden Seiten dieses Krieges stehen.« Und dann ist da die Szene am Ende des Films, in der Wilson nach erfolgreicher Vertreibung der Sowjettruppen aus Afghanistan in einem Kongressausschuss Geld für den zivilen Aufbau fordert. Er will Straßen, Schulen und Krankenhäuser bauen. Seine Kollegen, die zuvor ohne Achselzucken immer mehr Geld für Waffen bereitgestellt haben, halten das für eine schrullige Idee. Sie haben längst ein neues Thema. In Osteuropa bröckelt die Mauer, der Kommunismus bricht zusammen. Afghanistan ist nicht mehr sexy. Der Krieg des Charlie Wilson erzählt zwar von geheimen Operationen und Hinterzimmerdeals. Aber er erschöpft sich nicht darin, dies zu skandalisieren. Sein eigentliches Thema ist die Kurzatmigkeit der Außenpolitik. Die Frage, um die der Film sich dreht, lautet: Kann der Westen aus seinen Fehlern lernen? Weil Nichols sich für das Genre der Komödie entschieden hat, muss er die Frage nicht beantworten.

Julia Roberts ist eine große Komödiantin – wenn man sie lässt

Der Krieg des Charlie Wilson handelt vom Krieg in Afghanistan und von seinem klammheimlichen Unterstützern in Washington und Langley, wo der CIA sein Hauptquartier hat. Er spielt in der Welt der Unterausschüsse für geheime Operationen, auf CIA-Weihnachtspartys, in den Palästen Islamabads und bei Banketten politischer Lobbyisten in Kairo. Israelische Waffenhändler, pakistanische Militärberater und Las-Vegas-Stripperinnen begegnen sich in dieser unwahrscheinlichen Räuberpistole, die auf nichts als nackten Tatsachen beruht.