Wenn die siebenjährige Hamburgerin Joëlle ihre Großeltern besucht, sieht sie erst mal nach ihrem blauen Sparschwein. Meist klimpern dann so 20, 30 Euro darin, weil Oma und Opa immer mal wieder ein paar Münzen in den Schlitz stecken. Das Taschengeld ist der Enkelin deshalb sicher, obwohl die Einnahmen der geschiedenen Eltern stark schwanken. Und davon bleibt noch etwas übrig. »Meistens will meine Tochter, dass zehn Euro direkt auf das Sparkonto kommen«, sagt Vater Jan Bornemann.

Die Unterstützung kann der 33-Jährige gut gebrauchen. Denn seit Bornemann vor ein paar Monaten seine Festanstellung in einer Kanzlei aufgegeben hat, um als selbstständiger Anwalt chinesische Firmen zu beraten, schwankt sein Beitrag für Joëlles Zukunft erheblich. »Mal sind es 20, mal 100 Euro – je nachdem, wie viel am Monatsende übrig ist«, sagt der Jurist, dessen Exfrau, Joëlles Mutter, derzeit Arbeitslosengeld II bezieht. »Das ist schon eine große Unsicherheit.« Schließlich muss Bornemann auch noch für seine eigene Rente vorsorgen.

Junge Existenzgründer wie Bornemann, aber auch Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen oder langer Probezeit müssen einen Spagat wagen, wenn sie eine Familie gründen: Einerseits wissen sie, dass Erziehung und Ausbildung der Kinder immer teurer werden und sie dafür dringend Geld zur Seite legen müssen. Andererseits können Mütter und Väter oft kaum für sich selbst planen, wenn Aufträge unregelmäßig kommen oder der Arbeitgeber sie im Unklaren über ihre Vertragsverlängerung lässt.

»Viele haben da einfach nicht die Option, die Kinder extra abzusichern«, sagt die Bremer Soziologin Sigrid Betzelt. Sie untersucht die Situation von Solo-Selbstständigen in Kulturberufen. Manch einer verschiebt das Kinderkriegen lieber gleich. »Die Szene der jungen Kreativen ist in den meisten Städten eine kinderlose Zone«, sagt die Berliner Forscherin Alexandra Manske, die sich mit Alleinunternehmern in der IT-Branche beschäftigt. Damit verhalten sie sich durchaus rational. Kinder sind Konsumgüter geworden, sie kosten mehr, als sie einbringen, hat der US-amerikanische Ökonomie-Nobelpreisträger Gary Becker knallhart festgestellt. Fast 600 Euro monatlich geben Eltern laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich für ihr Kind aus. Ein Studium schlägt je nach Fachrichtung mit 25.000 bis 50.000 Euro zu Buche, Auslandsaufenthalte und Studiengebühren nicht eingerechnet.

»Für die Mütter und Väter stellt sich prinzipiell die Frage: Wollen wir jetzt weinen oder später?«, sagt Finanzplanerin Stefanie Kühn, Autorin des Finanzratgebers für Eltern. Aus eigener Erfahrung weiß sie aber auch, dass junge Berufstätige heute schlechter planen können als früher. Daher empfehlen Anlagestrategen, klare Prioritäten zu setzen. »Die eigene Geschäftstätigkeit ist am wichtigsten«, sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wer auf Anschaffungen wegen hoher Sparraten verzichtet, gefährdet möglicherweise seine Existenz. »Dann kommt die eigene Absicherung«, sagt Anlageberaterin Kühn, also die Rente und der Schutz gegen Krankheit, Tod und Berufsunfähigkeit. »Es nützt ja nichts, wenn später die Kinder für die Eltern sorgen müssen, weil die zu wenig an sich selbst gedacht haben«, sagt Kühn. »Für die Ausbildung der Kinder muss man im schlimmsten Fall ein Darlehen aufnehmen.«

Trotzdem sollten Eltern eine solche Situation möglichst vermeiden und frühzeitig für die Kinder Geld anlegen, zur Not eben in schwankenden Raten, wie es Junganwalt Bornemann tut. Einfache Sparpläne ermöglichen diese Flexibilität oft am besten, seien es solche mit festen Zinsen wie für Schatzbriefe oder solche, die in Zertifikate oder Aktienfonds investieren. Letztere empfehlen viele Berater, weil sich die unvorhersehbaren Kursschwankungen über die Jahre meist ausgleichen und vergleichsweise hohe Renditen zu erwarten sind.

Wenn möglich, sollten Sparer zumindest eine Minirate auf jeden Fall stetig weiterzahlen – schon um einen Zinseszinseffekt zu nutzen. »Bei flexiblen Anlagen ist es natürlich einfach zu sagen, ich höre jetzt mal auf. Aber es ist wichtig, das durchzuziehen und notfalls den eigenen Konsum einzuschränken«, sagt Beraterin Kühn. Eltern, die mal hohe Summen zur Verfügung haben und mal länger nichts, können die fürs Kind vorgesehenen Beträge auf einem Tagesgeldkonto oder bei einer Versicherung parken. Von dort fließt dann monatlich ein fester Betrag in einen Fondssparplan. »So verringert sich das Risiko eines zu hohen Einstiegskurses«, sagt Kühn.