Welche Erkenntnisse haben die Medizin in den vergangenen Jahren vorangebracht?

Entscheidend war die naturwissenschaftliche Orientierung der Medizin. Dazu gehört die Einbindung von Biophysik und Biochemie, die ja in der Vergangenheit besonders von deutschen Forschern geprägt wurden. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse haben die Medizin entscheidend vorangebracht, wie zum Beispiel die Entdeckung der DNA, die von Max Delbrück und anderen wesentlich vorbereitet wurde.

Welchen Durchbruch erwarten Sie?

Nach den jüngsten Erfolgen der Stammzellforschung denke ich, dass auf dem Gebiet der regenerativen Medizin in naher Zukunft klinisch praktikable Durchbrüche gelingen. Dabei werden dann möglicherweise nicht Organe oder Zellen transplantiert, sondern die körpereigenen Reparaturmechanismen angeregt – analog zu dem Lurch Axolotl, dem Gliedmaßen und Organe nachwachsen. Das zweite Feld ist die individualisierte Medizin. Durch die Analyse individueller Varianten der Enzyme und Rezeptoren lässt sich vorhersagen, wie ein bestimmter Patient auf ein Medikament anspricht. So kann man die passenden Mittel zum Beispiel in der Krebstherapie besser auswählen.

Was war der größte Irrtum in der Medizin?

Der größte Irrtum ist, dass wir auch heute noch darauf warten, dass Menschen krank werden und dann Heilung beim Arzt suchen. Wir müssen mehr Arbeit in die Vorbeugung stecken. Das relative Übergewicht der kurativen Medizin zur präventiven Medizin muss korrigiert werden.

Kann man Menschen für eine gesunde Lebensweise gewinnen?