Schon mit 16 wusste er genau, wohin er wollte – nach Paris. Also fuhr er mit dem Fahrrad los und lebte drei Monate lang in der Metropole. Dann kehrte er in seine Heimat zurück, verließ mit 17 die Schule und tingelte schon ein Jahr später mit einem Showprogramm von Ort und Ort. Singen, lachen, tanzen, spielen, erzählen, (be)zaubern: Sein Beruf war quasi ein Familienerbe, auch Vater und Großvater hatten ihr Geld auf der Bühne verdient. Er aber sollte damit richtig Karriere machen.

Dabei hatte er, so erzählte er gern, alle Basics beim Vater gelernt. Dass man eine Bühne immer nur von links betrete, denn "links geht die Sonne auf". Dass man ein Publikum zum Lachen, aber auch zum Weinen bringen müsse, zweimal pro Abend. Und vom Vater erfuhr er auch, wie ein Witz funktioniert: Man müsse Dinge miteinander verknüpfen, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben.

Anfangs dachte er sich sein Programm selber aus, später hatte er seine Mitarbeiter, die für ihn kreativ waren, während er das Resultat verkaufte. Aber auch er selber arbeitete wie besessen, angeblich sollen es 16 Stunden täglich gewesen sein. In seiner Autobiografie bekannte er: "Immer wenn ich in meinem Leben Probleme hatte mit der Familie, mit Freunden oder dem Leben an sich, flüchtete ich zum Schreibblock und fing an zu arbeiten." Und er war berüchtigt dafür, dass er Kollegen, die fauler waren, bissig anblaffen konnte.

Als er dreißig war, war er schon ganz oben. Dabei hatte er im Grunde einfach nur eine neu entdeckte Möglichkeit im benachbarten Land klug für sich genutzt. Nun stand er an der Spitze seiner Zunft, war berühmt und dazu beliebt. Für seine Auftritte, die lässig wirkten, aber minutiös durchplant waren, für seinen unnachahmlichen Ton, für das breite Lächeln und seine Talente. Er sei nie ein Menschenfreund gewesen, schrieb einer später in einem Nachruf, "aber er liebte tatsächlich sein Publikum".

Das schien diese Liebe zu spüren und erwiderte sie, ganz im Sinne des Vaters, der ihm anvertraut hatte: "Junge, die meisten Menschen sind nicht glücklich, weil sie mit der Angst leben zu sterben. Und meine und deine Aufgabe ist es, sie davon…ein paar Stunden abzulenken. Wenn uns das gelingt, dann müssen wir unheimlich glücklich sein."

War er denn glücklich? Auf seine Art gewiss – wenn die auch für Menschen, die ihm privat nahe standen, vermutlich nicht immer gut zu ertragen war. So führte er zwei Liebesbeziehungen parallel und ließ auch sonst beim schönen Geschlecht, wie man sagt, selten was anbrennen. Dafür brannte etwas anderes fast pausenlos – eine Zigarette. Dass ihn die Qualmerei am Ende einige Lebensjahre kostete, nahm er in Kauf, schließlich habe er "ungesünder als ein Versuchskaninchen" gelebt: "Was soll ich denn trauern? Ich muss dankbar sein, ich habe so ein tolles Leben gehabt." Wer war’s?

Frauke Döhring