An kalten Tagen wärmen sich viele Menschen gern mal mit einem Glas Glühwein oder Schnaps auf. Der Alkohol erzeugt ein wohlig-warmes Gefühl, das Gesicht beginnt zu glühen. Und schließlich tragen ja auch die Bernhardiner, die in der Schweiz Lawinenopfer vor dem Erfrieren retten, ein Schnapsfässchen um den Hals, oder?

Die Lawinenhunde sind heute in den seltensten Fällen Bernhardiner, und das Schnapsfass am Halsband ist eine Legende. Es würde auch nicht viel nützen, denn der Alkohol wärmt den Körper nicht. Im Gegenteil.

Wir haben am Körper diverse Wärmesensoren. Viele davon sitzen auf der Haut, die wichtigeren aber sind im Körperinneren, und wir merken nicht viel von ihnen. Wenn dort die Temperatur sinkt, dann gerät der Körper in Alarmbereitschaft. Er muss die Lebensfunktionen aufrechterhalten, und dabei setzt er Prioritäten: Die inneren Organe sind wichtiger als die Extremitäten, deshalb verengen sich die Blutgefäße an der Oberfläche, die Temperatur von Händen und Füßen sinkt – wir frieren.

Alkohol dagegen hat eine gefäßerweiternde Wirkung. Er sorgt dafür, dass die Haut besser durchblutet wird. Das empfinden wir bei Kälte als angenehm, aber die Folge ist nicht nur eine schlechtere Versorgung der wichtigen Organe mit Blut. Zusätzlich strahlen wir über die warme Haut mehr Energie nach außen ab – die Unterkühlung wird noch schlimmer.

Das alles ist noch keine Katastrophe, wenn wir bald danach wieder im warmen Zimmer sitzen. Fatal wird es, wenn dieser Kühleffekt des Alkohols mit seiner Rauschwirkung zusammenkommt: Dann liegt der Trinker nach der Sauftour im Schnee, fühlt sich subjektiv warm, entschlummert sanft und stirbt an Unterkühlung, ohne das Bewusstsein wiederzuerlangen.Christoph Drösser

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