Informationsverarbeiter, ob Studenten oder Journalisten, müssen viel lesen. Fakten und Zitate markieren sie mit Textmarkern, um sie dann im Artikel oder der Seminararbeit zu zitieren. Wie schön wäre es, diese Schnipsel gleich im Computer zu haben! Genau das verspricht der InfoScan2 von der Firma Hexaglot. Die hat schon länger Stifte im Programm, die fremdsprachige Wörter lesen und übersetzen. Nun also ein Stift, der in der Lage sein soll, massenhaft Text computergerecht zu erfassen.

Leider ärgert mich das Gerät schon vor dem ersten Scan. Es kommuniziert nur mit Windows-Computern. Weiß man bei Hexaglot nicht, dass in der Welt der Wissensverarbeiter viel mit Apple gearbeitet wird? Entsprechend mühselig ist die Installation. Nachdem die mit Hilfe der Hotline geglückt ist, will erst einmal das Lesen gelernt sein. Einfach über den Text wischen funktioniert nicht; der Stift muss möglichst exakt rechtwinklig auf dem Papier aufsetzen, ich muss gut zielen (am besten von rechts nach links scannen) und darf weder zu schnell noch zu langsam sein. Beim Üben mit einer Zeitung ergeben sich lustige Lesefehler: Statt "Dubai schafft sich ein eigenes Universum" liest das Gerät "erogenes Universum" – so haben sich die Scheichs ihre neuen künstlichen Touristeninseln bestimmt nicht vorgestellt. Nach einer Weile staune ich aber doch, wie der Stift die Buchstaben von der Seite saugt und mit Hilfe seines eingebauten Lexikons fast fehlerfrei darstellt.

Nach jeder Zeile braucht der InfoScan eine Denkpause, dann stellt er das Gelesene dar. Zwar könnte ich jetzt gleich auf dem Stift Korrekturen eingeben, doch das grüne Drei-Zeilen-Display und das umständliche Menü erinnern an Mobiltelefone der ersten Stunde. Ich belasse es beim Rohtext und nehme mir vor, das Ganze am Computer zu korrigieren.

Doch die Korrektur dauert. Der Stift krankt an demselben Problem, das auch den Durchbruch der Computer-Spracherkennung bisher verhindert hat: Selbst wenn eine Erkennungsrate von über 90 Prozent eindrucksvoll klingt – die Korrektur dauert meist länger als für den geübten Schreiber das eigenhändige Eintippen. Test mit elf Zeilen ZEIT- Text: Der Scan-Vorgang dauert eineinhalb Minuten, die Korrektur des gescannten Textes nimmt zweieinhalb Minuten in Anspruch. Das Abtippen dagegen ist nach 1:36 Minuten erledigt – der Stift ist langsamer als der Mensch.

Vielleicht entfaltet er ja seine Stärken unterwegs, wenn kein Computer zur Hand ist? Im Zug lasse ich den Stift durch einen Stapel Artikel fahren, in denen wichtige Passagen markiert sind. Er soll die markierten Stellen aufsaugen. Aber oje – mit grünem Textmarker kommt er überhaupt nicht klar, da liest er Zeichenketten wie "Ragaa28Bi~n~i". Gelb dagegen liegt ihm. Das meiste erkennt er.

Allerdings finde ich am nächsten Tag im Büro Sätze wie "Guericke erkannte im Jahr 1~0 erstmals…". Für die richtige Jahreszahl muss ich nun doch wieder die Originalquelle suchen. Fazit: Zum Staunen und Spaßhaben reicht’s. In der Praxis hat der Textsauger seine Tücken.

Hexaglot InfoScan2, 129 €