Es gibt nur wenige Menschen, auf die sich Unternehmen in den vergangenen Jahren so gut verlassen konnten wie auf den US-Konsumenten. Er war im Schnitt 48,6 Jahre alt, fuhr zwei Autos, verdiente zuletzt 58.712 US-Dollar vor Steuern und konnte das Einkaufen nicht lassen. 46.409 Dollar gab er jährlich aus. Davon konnten ihn weder die platzende Internetblase zur Jahrtausendwende abhalten noch der 11. September 2001, noch der Benzinpreis.

So sah es die größte Bank der USA, die Bank of America, im Frühjahr 2007 auch noch gelassen, dass gerade eine gewaltige Hypothekenkrise heraufzog. "Obwohl die Konsumentenschulden relativ zum Einkommen steigen, ist das Vermögen so hoch wie nie und wächst mit gesunden Raten", verkündete damals Risikovorstand Amy Brinkley vor Investoren.

Es war eine Fehleinschätzung. Zum einen fällt die Immobilienkrise heute schwerer aus, als die Risikoabteilungen der Banken es geschätzt hatten: Im Dezember zum Beispiel sind die Preise für neue Häuser um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Damit ist das Vermögen der Privathaushalte binnen eines Jahrs um rund zwei Billionen Dollar geschrumpft – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kauflust.

Zum anderen könnte in der amerikanischen Wirtschaft bald noch eine weitere Blase platzen. Viele Haushalte können ihre Kreditkartenschulden nicht mehr zahlen. Die angeschlagenen Institute müssen schon jetzt Milliarden abschreiben, weil ihre Kunden zwar noch einkaufen gehen, aber die monatliche Abrechnung dann nicht mehr begleichen.

Die Bank of America etwa meldete im vergangenen Quartal fast zwei Milliarden Dollar mehr Kreditkartenverluste als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Knapp fünf Prozent der Kunden konnten ihre Schulden nicht begleichen, vor einem Jahr waren es noch vier Prozent. Ähnlich sieht es bei den Großbanken JPMorgan Chase und Citigroup aus.

Die Bankenbranche reagiert darauf offenbar auf unkonventionelle Weise. "Seit letztem Sommer haben viele Banken die Standards für die Kreditkartenvergabe gelockert", sagt Christian Weller, der den Markt seit Jahren bei der Denkfabrik Center for American Progress beobachtet. So konnte noch die vierte oder fünfte Kreditkarte an den Mann gebracht werden. Der durchschnittliche US-Bürger hat drei.

Lange war das zusätzliche Schuldenmachen kein Problem. Wenn die Kreditkartenschulden den Verbrauchern früher über den Kopf wuchsen, erhöhten viele ihre Immobilienhypothek. Seit vergangenem Herbst ist der Markt für Hypothekenkredite aber völlig zusammengebrochen – Schulden auf der Kreditkarte können nun nicht einfach verschoben werden.