DIE ZEIT: Die Morde von Duisburg im August 2007 haben den Deutschen vor Augen geführt, dass die Mafia auch hierzulande operiert. Wie lange investiert die organisierte Kriminalität aus Italien bereits Geld in Deutschland?

Roberto Scarpinato: Es begann bereits 1982. Da wurde in Italien ein Gesetz beschlossen, demzufolge bereits ein Verdacht ausreicht, um Mafiagüter konfiszieren zu können. Seitdem haben die Bosse der sizilianischen Mafia entschieden, einen großen Teil ihres Vermögens in Deutschland zu investieren. Etwa in Staatsanleihen und Immobilien.

ZEIT: In Italien reicht schon der Verdacht auf Mafiazugehörigkeit aus, um Vermögen zu beschlagnahmen?

Scarpinato: Es ist möglich, den Besitz von Personen zu beschlagnahmen, die im Verdacht stehen, zur Mafia zu gehören. Sie müssen nachweisen, dass ihr Besitz rechtmäßig erworben wurde, mit sauberen Geldern. Wenn dieser Beweis nicht erbracht wird, kann beschlagnahmt werden. Auch wenn der Betreffende noch nicht verurteilt wurde und nur der dringende Verdacht besteht, dass er zur Mafia gehört.

ZEIT: In Deutschland wäre das unmöglich.

Scarpinato: In Deutschland können Mafiagüter erst beschlagnahmt werden, wenn jemand rechtskräftig verurteilt wurde, etwa wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung. Denn in Deutschland wird die Mafiazugehörigkeit ja nicht als Delikt betrachtet. Und da die Investitionen der Mafia von 1982 bis heute ihre Früchte getragen haben, gehen wir jetzt von mehreren Hundert Millionen Euro Mafiavermögen in Deutschland aus, auch wenn wir keine genauen Zahlen haben.

ZEIT: Gibt es Spuren?