Die Mafia gilt als erfolgreichstes "Unternehmen" Italiens. Der Jahresumsatz der drei wichtigsten Organisationen Cosa Nostra (Sizilien), ’Ndrangheta (Kalabrien) und Camorra (Kampanien) wurde für 2007 auf 90 Milliarden Euro geschätzt, also sieben Prozent des BIP. Die Mafia betreibt aber nicht nur illegale Geschäfte, sie verhindert auch mit gezieltem Schutzgeldterror die Entwicklung der legalen Wirtschaft in Süditalien und den Ausbau der Infrastruktur. Unbeachtet von der Öffentlichkeit, sabotieren Camorra und ’Ndrangheta seit Jahren einen Ausbau der Autobahn südlich von Salerno, weil ihre Bauunternehmen nicht beteiligt werden.

Die Cosa Nostra, jahrzehntelang Inbegriff der Mafia schlechthin, ist im Augenblick angeschlagen. Ihre Superpaten Bernardo Provenzano und Salvatore Lo Piccolo wurden spektakulär verhaftet. Der sizilianische Unternehmerverband droht Mitgliedern unter Mafia-Verdacht mit Ausschluss – und auch allen Unternehmern, die Schutzgeld an die Cosa Nostra zahlen. Das ist ein neuer Tonfall.

Mächtigste und erfolgreichste Mafia-Organisation ist jetzt die ’Ndrangheta aus Kalabrien. Auf ihr Konto gingen auch die sechs Morde von Duisburg im vergangenen Sommer. Sie ist in ihrem Stammgebiet ähnlich verwurzelt wie die Cosa Nostra früher auf Sizilien: in der Lokalpolitik wie im Fußballclub wie in der Krankenkasse. Zugleich ist sie ein globales Unternehmen, hat etwa ihren Drogenhandel in Kolumbien straff organisiert. Einer ihrer Männer machte dort Karriere als Guerillaführer. Die Gewinne werden gern in Osteuropa investiert. Italiens Paten versuchten sich beim Einstieg ins russische Gasgeschäft und sind angeblich gar an der Müllabfuhr in Bukarest beteiligt.

Anders als ihre Schwesterorganisationen ist die Camorra nicht hierarchisch organisiert – es bilden sich immer wieder neue Banden, die Milliarden mit Markenfälschung, illegaler Müllentsorgung, Drogen, Prostitution und Schutzgeld machen. Auch dies geschieht längst in Kooperation mit ausländischen Organisationen aus China und Nigeria. Birgit Schönau