Hätte vor fünf Jahren jemand gesagt, mehr Microsoft könnte dem Wettbewerb guttun – er wäre ausgelacht worden. Ausgerechnet der Konzern, der zwei Jahrzehnte lang den Markt für Computersoftware beherrscht hat. Der faktisch Monopolist war. Die erbarmungslosen und teilweise unlauteren Verdrängungsmethoden seiner Manager riefen Mitleid mit Konkurrenten hervor, fast wäre der Konzern sogar von amerikanischen und europäischen Wettbewerbshütern zerschlagen worden.

Doch nun könnte Microsoft auf einem Markt, der viel größer ist als der für Computersoftware, für das genaue Gegenteil sorgen: gesunden Wettbewerb im Internet. Rund 45 Milliarden Dollar will Microsoft für das Netzportal Yahoo ausgeben, und der Konkurrent, auf den diese Übernahme letztlich zielt, hat als Erster aufgeschrien. Microsoft werde einen »unangebrachten und rechtswidrigen Einfluss auf das Internet« erlangen, schimpfte David Drummond, der Chefjurist von Google.

Ausgerechnet Google. Jener Konzern, der durch seine Suchmaschine zur dominierenden Macht im Internet wurde. 40 Prozent des weltweiten Werbemarktes im Netz hat Google erobert. Vergangenes Jahr hat der Konzern rund 16 Milliarden Dollar erwirtschaftet, ein Wachstum von 60 Prozent vorgelegt und eine Umsatzrendite von mehr als 30 Prozent brutto erzielt – Beleg dafür, dass Google keinen echten Konkurrenten hat.

Deshalb sagt Christian Bahr, Partner bei der internationalen Anwaltskanzlei Lovells in Düsseldorf, über die geplante Übernahme von Yahoo durch Microsoft: »Aufholfusionen sind grundsätzlich gut für den Wettbewerb. Ein Unternehmen darf ein anderes übernehmen, wenn es aus eigener Kraft nicht mehr zur Nummer eins der Branche aufschließen kann.« Bei Microsoft hänge nun viel davon ab, was der Konzern im Einzelnen mit Yahoo vorhabe. Sicher ist schon jetzt, dass Microsoft mit dem von Yahoo-Chef Jerry Yang »nicht erwünschten Angebot« die Entscheidungsschlacht um die wichtigste Geldquelle im Internet begonnen hat: die Werbung.

Niemals zuvor in seiner 33-jährigen Geschichte war Microsoft bereit, eine derart große Summe wie die für Yahoo auszugeben, sich möglicherweise sogar Geld zu leihen, um fremdes Wissen und neue Technik zu kaufen. Bisher vertraute der Konzern meist auf eigene Entwicklungen, die er am Markt durchsetzte, auch wenn sie technisch nicht die besten waren. Dieses traditionelle Geschäftsmodell machte Firmengründer Bill Gates lange zum reichsten Mann der Welt; noch heute bestimmt es unser Verständnis von Computern. Man kauft einen Rechner und einen Großteil der Software gleich mit, sei es das Betriebssystem Windows oder das Textverarbeitungsprogramm Word. Und bei Microsoft klingelt jedes Mal die Kasse. Aber wie lange noch?

Die Ära der Verkaufssoftware neigt sich dem Ende zu. Städte wie München haben von Windows auf das freie Betriebssystem Linux umgestellt. Damit sparen sie Geld, eine Kleinstadt wie Schwäbisch Hall allein mehr als 24.000 Euro Lizenzgebühren pro Jahr.

Die Firma Asus bietet schon Billiglaptops an, die – voll mit Gratissoftware – keine 300 Euro kosten. Und überhaupt: Wer braucht künftig noch Computer? In zehn Jahren dürften viele Menschen per Handy surfen und dabei ohne Microsoft auskommen.