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»68« begann in Frankreich deutlich später als in Deutschland, wo es schon 1967 große Demonstrationen gegeben hatte. Und es begann auch nicht im Pariser Quartier Latin, sondern an der Universität Nanterre. Dort, in dem trostlosen, seit Jahren halbfertigen Vorort-Ableger der ehrwürdigen Pariser Sorbonne, hatten rund hundert Aktivisten verschiedener linker Grüppchen nach einer Aktion gegen den Vietnamkrieg eine »Bewegung des 22. März« aus der Taufe gehoben. Daniel Cohn-Bendit war in vorderster Reihe dabei – und Pate standen nicht zuletzt Ideen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes

Für den 2. April 1968, den »Tag der allseitigen Diskussion«, haben die Studenten von Nanterre den größten Saal der Philosophischen Fakultät besetzt. Karl Dietrich Wolff, der neue Vorsitzende des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), spricht vor mehr als tausend »Enragierten«. Aus seinem Mund erfahren sie, dass es ihre Themen sind, die ihre Kommilitonen in Berlin und Frankfurt schon seit einem Jahr auf die Straße treiben: der Krieg in Vietnam und die »autoritären Strukturen« der kapitalistischen Gesellschaft. Wolffs Besuch ist eine Demonstration jener Verbindung zwischen deutschen und französischen Aktivisten, die seit geraumer Zeit besteht. Vor allem Daniel Cohn-Bendit, der 23-jährige Soziologiestudent aus einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie, der nun ebenfalls spricht, hat sich bei den deutschen Genossen umgesehen und sich von deren Teach-ins, Go-ins, Sit-ins inspirieren lassen.

Auch rechts des Rheins wird an diesem Tag deutlich, wie sehr die Anliegen und Aktionsformen der Protestierenden einander ähneln, ja wie sehr sie in mancher Hinsicht zusammenhängen: Die junge Berlinerin Beate Klarsfeld, die just am Nachmittag jenes 2. April »Nazi-Kiesinger, abtreten!« in den Bonner Plenarsaal ruft und ein halbes Jahr später den Bundeskanzler ohrfeigen wird, ist bis vor Kurzem Sekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks in Paris gewesen; der Vater ihres Mannes, eines Pariser Anwalts, wurde in Auschwitz ermordet. Und als eine Woche später, nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, eine Welle von Demonstrationen durch die Bundesrepublik geht, ist dies ein Signal auch für die »Bewegung des 22. März« in Frankreich.

Nicht nur in Nanterre kommt es zu Solidaritätskundgebungen für »Rudi le Rouge«, auch in Paris ist die Empörung groß. Am 19. April ziehen mehrere Tausend Studenten mit Spruchbändern durch das Quartier Latin: Gegen die Springer-Presse! Gegen die Notstandspläne der Großen Koalition! Gegen Kiesinger! Man zeigt sich gut informiert über die Situation im Nachbarland. Die Erklärung dafür liegt in dem Umstand, dass sich in der französischen Hauptstadt weitere Mitglieder des dort inzwischen geradezu bewunderten SDS aufhalten. Den zerstrittenen, an kubanischen, chinesischen und anderen Sozialismusmodellen orientierten Gruppen predigen sie die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens.

Allem Anschein nach entfaltet die deutsche Entwicklungshilfe eine gewisse Wirkung. Am 3. Mai jedenfalls springt der revolutionäre Funke auf die Sorbonne über, im Herzen der Stadt. Ein paar Hundert Studenten liefern sich mit Einheiten der kasernierten Compagnies républicaines de sécurité (CRS) eine Straßenschlacht. Am späten Freitagabend ist ein Großteil der Demonstranten vorübergehend verhaftet, der Rest mit Tränengas in die Flucht geschlagen. Das Wochenende über herrscht Ruhe in Paris, doch am Montag beschleunigt sich die im Entstehen begriffene »Bewegung«.

Eine neue Losung macht die Runde: »Unter dem Pflaster liegt der Strand«

Der Tag, es ist der 6. Mai, beginnt mit einer Vorladung. Cohn-Bendit und einige seiner Freunde sollen sich wegen der Hörsaalbesetzung vom 2. April verantworten. Etwa 200 Kommilitonen und ein Heer von Fotografen begleiten die Beschuldigten zur Sorbonne, wo bereits 1500 Polizisten der CRS aufgezogen sind. Während der Disziplinarausschuss die Sache niedriger hängen will und sich vertagt, versuchen die Uniformierten draußen, die Menge auseinanderzutreiben. Das Ergebnis ist ein großer Demonstrationszug, an dem sich auch Professoren beteiligen. Am späten Nachmittag kommt es zur Eskalation: Die Polizei setzt Chlorgas und Wasserwerfer ein, die Studenten verschanzen sich hinter quer gestellten Autos, von denen etliche in Flammen aufgehen.

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Jetzt weiten die Proteste sich aus. Am Abend des nächsten Tages sind es schon mehrere Zehntausend, die einen »langen Marsch« zum Arc de Triomphe unternehmen. Auch in der Provinz rührt sich die Jugend; Kundgebungen werden aus Bordeaux, Le Mans und aus Marseille gemeldet, Universitätsbesetzungen aus Dijon, Lyon, Rennes und Toulouse. Vor allem aber ist der Protest nicht länger die Sache sektiererischer Gruppen. Er nährt sich nun aus der Solidarität mit denen, die der Ordnungsmacht entgegentreten, und er beschleunigt sich rasant.

Dennoch wäre es verfehlt, wollte man allein aus der Dynamik der vorangegangenen Tage und Wochen erklären, dass Frankreich in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai eine der gewaltsamsten Auseinandersetzungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt und 48 Stunden später die vielleicht größte Demonstration in seiner Geschichte. Im Pariser Mai ist auch viel Zufall im Spiel.

Die Errichtung der Barrikaden beginnt kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Schon den ganzen 10. Mai über sind Tausende junger Leute durch das Quartier Latin gezogen. Nun weiß keiner so recht, wie es weitergehen soll. Die Studentenführer Alain Geismar, Jacques Sauvageot und Daniel Cohn-Bendit diskutieren über den rechten Weg, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen; am Ende folgen die »drei Musketiere der Revolte« der Schwerkraft der Menge – man bleibt, wo man ist. »Alle«, heißt es in einem deutschen Augenzeugenbericht, »hatten an diesem warmen Maiabend das Gefühl, daß etwas geschehen würde, niemand war sich jedoch im klaren darüber, was. Man war sich nur darin einig, daß es etwas qualitativ Neues sein müßte, dem Charakter der Massenbewegung, ihrer Entschlossenheit, ihrer neuen Macht entsprechend.«

Während die einen über Gewalt und Gegengewalt noch diskutieren, verwandeln die andern ihre Entdeckung schon in Revolutionslyrik: »Unter dem Pflaster liegt der Strand.« Plötzlich, so heißt es in dem Bericht weiter, »ertönten zwischen dem Jardin de Luxembourg und dem Metro-Eingang gegenüber schnelle, abgehackte Schläge, ein Geräusch, das für die kommenden 30 Tage nicht mehr aus Paris wegzudenken war: Einige Leute hatten die halbmondförmigen Eisengitter um die Bäume abgehoben und schlugen damit die Pflastersteine aus dem Boden.«

Im Nu wandert das so gewonnene Baumaterial von Hand zu Hand. Es wird ergänzt durch quer gestellte Autos, Parkbänke und umgestürzte Zeitungsbuden. Zwei Stunden später sind viele Straßen unpassierbar, manche der Barrikaden meterhoch, andere dicht hintereinander gestaffelt und eigentlich nur von symbolischem Wert. Aber Symbolen und dem Rückgriff auf die Geschichte kommt jetzt hohe Bedeutung zu, sei es die Große Revolution von 1789, seien es die Tage der Pariser Commune von 1871. Ein exaltiertes historisches Bewusstsein feiert sich bereits als die »Commune des 10. Mai«.

Es folgen Szenen der Wut und Gewalt, auf beiden Seiten: Zehntausend Männer der CRS gehen mit Tränengas, Rauchkerzen und Schlagstöcken gegen etwa ebenso viele Demonstranten vor. Schätzungsweise zwei Drittel derer, die tagsüber protestiert haben, sind inzwischen zwar zu Hause; die andern aber setzen sich jetzt mit Pflastersteinen erbittert zur Wehr. Es fließt Blut, und es fliegen wohl auch Molotowcocktails – jedenfalls brennen etwa 60 Autos aus, doppelt so viele werden beschädigt. 251 der 367 Verletzten, von denen anderntags die Rede ist, sind Polizisten. 460 Demonstranten werden festgenommen.

Der Morgen nach dem Barrikadenkampf sieht Frankreichs Fünfte Republik in einer dramatischen Krise. Ihr Präsident jedoch schweigt. Der 78-jährige Charles de Gaulle überlässt es seinem Premierminister, vor die Mikrofone zu treten: Die Sorbonne, verspricht Georges Pompidou den Studenten, werde wieder geöffnet, und ein Berufungsgericht über die bereits verurteilten Demonstranten neu befinden; alle just Verhafteten kommen rasch frei.

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Doch solche Konzessionen vermögen jetzt niemanden zu besänftigen. Im Gegenteil, vielen erscheinen Pompidous Worte als eine Bestätigung für die Legitimität des Protests. Damit aber sieht sich auch die etablierte Opposition in der Pflicht: Schon haben die großen Gewerkschaftsverbände zu einem 24stündigen Generalstreik aufgerufen.

Jetzt streiken auch die Mädchen aus dem Crazy Horse

Am 13. Mai, einem strahlenden Frühlingstag, sind Hunderttausende auf den Beinen. Schwarze und rote Fahnen vermischen sich, erstmals agieren antiautoritäre Neue und orthodoxe Alte Linke gemeinsam. Aber von Einigkeit kann keine Rede sein. Die Parole »Studenten, Lehrer und Arbeiter zusammen« beruht auf einem Trugschluss. Zwar zeigen sich auch Professoren solidarisch, und Gewerkschafter bekunden ihre Sympathie, doch die Interessen all derer, die nun demonstrieren, sind nicht identisch, und ihre gemeinsame Überzeugung, zehn Jahre Gaullismus seien genug, reicht letztlich nicht weit.

Schon das Stück des Weges, das die beiden Formationen zusammen marschieren, von der Place de la République zur Place Denfert-Rochereau, erweist sich als schwierig genug. Dort angekommen, gehen die einen brav heim, die anderen – es sind jetzt nur noch ein paar Tausend – machen sich auf zur wiedereröffneten Sorbonne, die sie in der Nacht besetzen. Hier richtet sich die Revolte ein: als akademische Räterepublik.

Zwar bleibt Frankreich an diesem Tag von einem Stillstand weit entfernt, aber das Signal für ein massenhaftes Aufbegehren gegen die Kräfte des Konservatismus ist damit gegeben. Vielerorts beginnen wilde Streiks, und binnen einer Woche legt eine Welle von Fabrikbesetzungen große Teile der Wirtschaft lahm. Nochmals ein paar Tage später sind sieben Millionen Franzosen im Streik, drohen die Städte im Chaos zu versinken, funktionieren weder Telefon noch Post noch Müllabfuhr. Die Pariser horten Benzin, und im Crazy Horse Saloon bleiben die Stripperinnen in ihren Kleidern.

Just in diesem Moment kehrt Daniel Cohn-Bendit Paris den Rücken. In West-Berlin lässt er sich als »neuer Danton« feiern. Was der erklärte Gegner der orthodoxen Parteikommunisten (wie überhaupt des real existierenden Sozialismus) seinen theoriebegeisterten deutschen Freunden bei dieser Gelegenheit verkündet – dass es nämlich auch im Spätkapitalismus möglich sei, die Arbeiterschaft für eine Revolution zu mobilisieren –, das suchen seine französischen Genossen zur selben Zeit zu praktizieren: indem sie die Heroen der »befreiten« Betriebe darüber belehren, dass es um mehr gehe als um Löhne und Arbeitszeiten. Oft genug freilich bleiben den jungen Linken die Werkstore auf Weisung der kommunistischen Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre verschlossen.

Ungeachtet der großen Krise ist Präsident de Gaulle am 13. Mai zu einer Staatsvisite nach Rumänien geflogen, und seit seiner vorzeitigen Rückkehr am 18. Mai versucht der General zu taktieren: »La réforme oui, la chienlit non« , lautet seine polemisch-verächtliche Formel – so viel wie »Reformen ja, Saustall nein«. Am 24. Mai meldet er sich über Funk und Fernsehen endlich zu Wort. Zwar bekundet er die Bereitschaft, ein Referendum auf den Weg zu bringen, das eine Reform der Hochschulen und eine Erneuerung des Landes befördern soll. Aber seine vagen und stockend vorgetragenen Worte finden kaum ein Echo – außer auf der Place de la Bastille, wo ihm 25000 Demonstranten, darunter viele kommunistische und linkskatholische Gewerkschafter, ein empörtes »Nein!« und »Adieu, de Gaulle!« entgegenschleudern. Eine militante Minderheit versucht sogar, die Börse niederzubrennen.

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Unter dem Eindruck der schwachen Rede und wachsender Meinungsunterschiede im Regierungslager bittet Pompidou für Samstag, den 25. Mai, Vertreter der Gewerkschaften und der Unternehmerverbände an einen Tisch – um die Studenten und deren Forderungen geht es längst nicht mehr.

Zwar einigt man sich auf eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns um mehr als ein Drittel, auf eine allgemeine Lohnerhöhung um zehn Prozent und eine Fixierung der 40-Stunden-Woche. Aber man hat die Rechnung ohne die rebellische Basis gemacht. Vor allem die jungen Radikalen im Renault-Werk von Billancourt bei Paris weisen die Vorschläge vehement zurück, und ähnlich reagieren die Arbeiter bei Citroën und Sud-Aviation, wo Streik und Betriebsbesetzung besonders früh und massiv begonnen haben.

Immer klarer wird jetzt, dass sich die Forderungen auch in der Arbeiterschaft nicht mehr nur auf wirtschaftliche Verbesserungen richten. Verlangt wird eine »Regierung des Volkes« – und, natürlich, der Rücktritt de Gaulles. Plötzlich liegt der Vergleich mit dem Jahr 1936 in der Luft. Nicht wenige sehen Frankreich wie damals auf eine Volksfront zusteuern, die einen voll Hoffnung, die anderen mit Furcht. Aber es gibt auch die Angst vor einem Militärputsch.

Mit Pompidous Scheitern erreicht die Krise ihren Höhepunkt. Jetzt scheint tatsächlich »alles« möglich. Doch als am Nachmittag des 29. Mai Gerüchte die Runde machen, de Gaulle habe sich per Hubschrauber mit unbekanntem Ziel davongemacht, sei unauffindbar, verunglückt, vielleicht sogar tot, da ist auch die Katharsis des Dramas nicht mehr fern.

Tatsächlich ist de Gaulle in Baden-Baden gewesen. Doch worin der Sinn seines hochgeheimen Kurzausflugs bestand, ist bis heute unklar geblieben. Dass er seinen alten Kombattanten Jacques Massu, der dort als Oberkommandierender der französischen Streitkräfte in Deutschland residierte, wirklich ins Vertrauen zog, scheint wenig wahrscheinlich. Aber unrealistisch bleibt auch die Vermutung, dass der Stratege ausgerechnet rechts des Rheins damit begann, seine Truppen zu sammeln. Es muss wohl eher so gewesen sein, dass die Staatskrise in diesem Moment in eine Nervenkrise übergegangen war.

Am Abend jedenfalls ist de Gaulle zurück auf seinem Landsitz in Colombey-les-Deux-Églises am Ostrand der Champagne, das Spötter schon umbenannt haben in »Colombey-les-Deux-Exils«. Am nächsten Tag geht er in die Offensive. In einer landesweit übertragenen Rede erklärt er, nicht er trete zurück und auch nicht sein Premier, wohl aber werde die Nationalversammlung aufgelöst. Neuwahlen würden angesetzt, und falls die Streiks nicht aufhörten, werde er zu Notstandsmaßnahmen greifen. Von einem Referendum will der Präsident nun nichts mehr wissen. Die kurze Ansprache endet wie bei ihm üblich: »Vive la République! Vive la France!«

Jetzt ist es, als habe halb Paris nur darauf gewartet, dass der alte Haudegen Kampfeswillen zeigt. Seine Worte sind kaum verklungen, da ziehen Hunderttausende in Richtung Champs-Élysées. Die schweigende Mehrheit hat ihre Sprache gefunden, und die ist nicht zimperlich mit denen, die man für die Anstifter aller Übel der letzten vier Wochen hält: »Mitterrand ins Gefängnis!«, »Cohn-Bendit nach Dachau!«, »Frankreich den Franzosen!«.

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Damit geht, am Tag vor dem Monatsletzten, die große Revolte zu Ende. Schon nach den Pfingsttagen Anfang Juni ebben die Streiks und Fabrikbesetzungen ab, und wo dies, wie im Renault-Werk von Flins an der Seine, nicht der Fall ist, greifen die CRS ein. Knapp zwei Wochen später räumen Ordnungskräfte die Revolutionsbühne in Jean-Louis Barraults Odéon-Theater im Quartier Latin; seit Mitte Mai »befreit«, stinkt dort inzwischen nicht nur der malträtierte Kostümfundus zum Himmel. Am 16. Juni verlassen die letzten 150 Besetzer die Sorbonne. Die bunte Bewegung ist längst wieder in jene verfeindeten Sekten auseinandergefallen, aus denen sie die Strategen des »22. März« für ein paar Wochen zusammengeführt hatten. Ratlos und enttäuscht macht sich Daniel Cohn-Bendit nach Frankfurt davon.

Das Desaster vollendet sich Ende Juni in der Wahl zur Nationalversammlung. Gaullisten und Unabhängige gehen daraus als Sieger hervor, während die Linke praktisch halbiert wird.

Neun Monate später allerdings ist auch de Gaulles Zeit abgelaufen. Die Krise der Fünften Republik ist überwunden, jetzt steht jene entschlossene Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft an, die auch die treuesten Anhänger des Generals lieber in jüngeren Händen sehen. So stimmt, als der Präsident ein Referendum über eine Regionalreform mit der Vertrauensfrage verknüpft, eine Mehrheit mit Nein. Im Juni 1969 wählen die Franzosen Georges Pompidou zum Nachfolger von Charles de Gaulle. Da ist der Pariser Mai schon Legende.

Der Autor lehrt Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena. Mehr zur deutschen und weltweiten Protestbewegung in seinem Buch »1968 – Jugendrevolte und globaler Protest«, das in diesen Tagen erscheint (dtv, München; 286 S., Abb., 15,– €)