Marius Kloppers hat wohl geahnt, dass eine Schlacht auf ihn zukommen würde. De bello, also "Vom Kriege", nennt der Vorstandsvorsitzende des britisch-australischen Bergbaukonzerns BHP Billiton seinen Plan für eine der größten Eroberungen der Wirtschaftsgeschichte. Der Name in Anlehnung an das Werk De bello Gallico des römischen Feldherrn Julius Cäsar ist bewusst gewählt. Denn es geht Kloppers um die beste Ausgangsposition im vielleicht wichtigsten Verteilungskampf des 21.

Jahrhunderts der Kontrolle über Rohstoffe.

BHP will seinen ebenfalls in England und Australien ansässigen Konkurrenten Rio Tinto übernehmen und damit zum mit Abstand weltgrößten Rohstoffkonzern aufsteigen. Nach einer ersten Offerte im November, die Rio Tinto als zu niedrig abgelehnt hatte, hat BHP noch einmal nachgebessert. Das neue Angebot beläuft sich auf rund 147 Milliarden Dollar.

Gelänge die Übernahme, wäre dies nicht nur die zweitteuerste Unternehmensfusion aller Zeiten (nach dem Kauf von Mannesmann durch Vodafone). Es wäre auch die Geburt eines Rohstoffriesen mit nie da gewesener Marktmacht. " Bei einer erfolgreichen Fusion würde BHP nicht nur den Markt für Eisenerz dominieren, sondern auch die Rohstoffmärkte für Kupfer und Bauxit", sagt Markus Wagner, Referatsleiter für Bergbau bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover.

Von diesen drei Stoffen hängt ein Großteil der weltweiten Industrieproduktion ab: Kupfer dient hauptsächlich zur Herstellung von elektrischen Leitungen und Elektromotoren, mit dem aus Bauxit gewonnenen Aluminium werden Autos und Flugzeuge gebaut, Eisenerz ist der wichtigste Grundstoff für die Herstellung von Stahl. Rund 37 Prozent des internationalen Marktes für Eisenerz würde BHP nach erfolgreicher Übernahme kontrollieren, haben Wagner und seine Mitarbeiter berechnet. Nur zwei Unternehmen hätten dann fast 70 Prozent des weltweit gehandelten Eisenerzes in ihrer Hand: Denn die bisherige Nummer eins, der brasilianische Minenbetreiber Vale, kommt heute schon auf einen Anteil von fast einem Drittel.

Ein Albtraum für die Stahlbranche. " Vale und BHP könnten dann fast nach Belieben die Preise festsetzen", sagt Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, die das Interesse der deutschen Stahlindustrie vertritt. Im Vergleich zum Jahr 2003 seien die Rohstoffpreise für die Stahlproduktion inklusive der Transportkosten bereits um fast das Dreifache gestiegen. Nun fürchtet Ameling ein "regelrechtes Erpressungspotenzial" der Marktführer gegenüber ihren Abnehmern und fordert: "Die EU-Kommission muss hier einschreiten."

Die deutsche Stahlindustrie steht mit solchen Sorgen nicht allein da.