Wenn alles den Bach runtergeht, sucht man gern die Nähe von Gleichgesinnten. Statt Kritik und Vorwürfen locken Zuspruch und Bestätigung, und Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo weilte wohl auch aus diesem Grund neulich in Barcelona. Genau dafür ist er schließlich da, der Mobile World Congress; in den Kalendern der Mächtigen der globalen Handyszene sind die vier Tage im Februar stets für einen Kurztrip nach Katalonien geblockt. Man kommt dort nicht zusammen, um über so hässliche Themen wie Subventionstricks oder Standortverlagerungen zu reden. Nein, man möchte neue Hightechspielzeuge vorzeigen, Geschäfte einfädeln und, wenn’s gut läuft, auch ein klein wenig gelobt werden.

Offenbar hat Barcelona funktioniert. Denn obwohl das Image im wichtigen Absatzmarkt Deutschland ruiniert ist, vermittelte Kallasvuo keineswegs den Eindruck, als müsse er gleich losheulen. Auf der Bühne hob der Finne ein neues Nokia-Modell in die Luft und versprach, 35 Millionen Fußgänger mit Handy-Navigationsgeräten auszurüsten. "Bahnbrechend" sei das, ergänzte er noch und schwupps, da war er auch schon runter von der Bühne. Einen bleibenden Eindruck hinterließ Kallasvuo dennoch: Nokia wisse genau, wo es langgeht.

Rund 1.500 Kilometer nordöstlich, in Bochum, wissen sie auch, wo die Reise hingeht: nach Cluj in Rumänien. Seit Wochen protestieren Tausende Mitarbeiter schon gegen die geplante Werksschließung. Zu ihren Verbündeten zählt die Landesregierung, die Nokia Subventionstrickserei vorwirft. Konkret vermutet sie, Nokia habe zwar 41 Millionen Euro an Beihilfen eingesackt, aber nicht die vereinbarte Zahl an Arbeitsplätzen geschaffen.

Mit dem Staat und Nokia prallen Welten aufeinander. Was bloß nach einem Streit um Subventionsdetails aussieht, symbolisiert die grundsätzlichen Schwierigkeiten, staatliche Erwartungen und das unternehmerische Bedürfnis nach Flexibilität zu verbinden. Allzu detaillierte Regelungen grenzen an Planwirtschaft, zu lockere wiederum verwandeln Subventionen in unverbindliche Geldgeschenke auf Kosten des Steuerzahlers.

Lange bevor die Finnen in Bochum gebaut haben, gab es ähnliche Geschichten. Eine von ihnen spielt im Jahre 1983 in Berlin.

Damals schloss der Elektrokonzern AEG ein Werk in der Brunnenstraße. Um wenigstens einen Teil der 2.500 Jobs zu erhalten, wurden zwei neue Fabriken errichtet: in Spandau und Marienfelde. Möglich wurde das nur, weil die öffentliche Hand ungewöhnlich viel Steuergeld lockermachte; das Land Berlin spendierte rund 30 Millionen Mark, der Bund etwa 40 Millionen Mark.

Berlins industrieller Niedergang schien gestoppt, auch dank Elmar Pieroth, damals Wirtschaftssenator unter Richard von Weizsäcker. Der CDU-Politiker und Volkswirt soll die staatlichen Beihilfen damals mit dem Hinweis gerechtfertigt haben, hier würden "zukunftssichere Produkte" hergestellt.