Fünf Wochen später steht Gopal auf dem Sandplatz, wo die Bewohner von Ithampadal ihre Toten verbrennen. Da ist immer noch der Haufen Holz, auf dem im April Karunas Körper schwelte. Sein Vater gab etwas Asche in ein Tongefäß, übergoss sie mit Milch und streute sie ins Meer, zusammen mit einigen Dingen, die Karuna liebte, Gemüse, Süßigkeiten.

Es ist ein heißer Tag, an dem im Süden Indiens alle auf Regen hoffen. Gopal hat einen Dhoti um die Hüften gewickelt, er ist jetzt wieder ein Inder wie alle hier, kein Diener. "Meine Zeit in Dubai kommt mir bereits wie ein Unfall vor", sagt er, "so irreal." Aber er kann nicht aufhören, an den Reichtum dort zu denken. Sogar jetzt, beim Anblick von Karunas Asche. Auch hier bittet er seinen Gott Vakayadi um Geld für Haus, Frau und Kinder. Gopal hat sich in Dubai für Karunas Familie eingesetzt. Es war eine gute Tat. Jetzt könnte sich der Gott Vakayadi mal erkenntlich zeigen.

Bevor er zur Brandstätte gegangen ist, hat Gopal die Eltern des toten Cousins besucht. Karunas Mutter holte ein Foto des Sohnes hervor und fing laut an zu klagen. Die Haare des Vaters, erst 50, sind weiß. Er hielt Gopal Schuldscheine aus dem Leihhaus hin. Nachbarn haben der Familie Schmuck geliehen, damit Karuna nach Dubai fliegen konnte. Jetzt kann der Vater die Scheine nicht einlösen, und die Familie ernährt sich nur noch von Wasser und Reis. Sie besitzen kein Land wie Gopals Eltern.

"Vor einer Woche habe ich bei Shimizu angerufen", sagte ein Onkel Karunas. "Die Sache ist immer noch vor Gericht. Sie wollen das Geld später der indischen Botschaft schicken." Vielleicht hoffen die Japaner darauf, dass der Fahrer des Lastwagens verurteilt wird, die Entschädigung zu zahlen. Aber woher sollte ein Tagelöhner so viel Geld haben?

Gopal sagte nichts. Zweifel haben sich eingeschlichen, ob er richtig gehandelt hat, als er in dem Arbeiterwohnheim in Dubai dem Shimizu-Chef gegenüber stand. Ist es falsch gewesen, ihn zu bedrängen? "Sie finden immer einen neuen Vorwand, nicht zu zahlen", denkt Gopal. "Vielleicht bin ich ja daran schuld."

Er verlässt den Platz mit dem Aschehaufen und geht zurück ins Dorf. Neben der Teebude sitzen Männer unter Bäumen, viele alte und wenige junge, sie reden über den Regen, auf den alle warten. Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. "Es wird nicht regnen", sagt einer der Alten.

Einer von Gopals Freunden ist aus Singapur zu Besuch, er fährt mit einem Containerschiff zur See. Ein pockennarbiger Mann, der immerzu lächelt. Er liebe die Ruhe des Dorfs, sagt er. Auch Gopal hat von der Stille geschwärmt, den vielen Freunden, als er in Dubai war. Jetzt schweigt er. Er wirkt zermürbt.

Der Aufschwung Indiens, die Callcenter und Software-Fabriken haben dem Dorf nichts gebracht, so wie den meisten Bauern, zwei Dritteln der Bevölkerung. Fast alle jungen Männer Ithampadals sind fort. Sie sind in Malaysia, Saudi-Arabien, Bahrain, Qatar, Oman, Kuwait, im Libanon. 75 junge Männer suchen dort ihr Glück, mehr als die Hälfte gingen nach Singapur und Dubai. Die meisten verdingen sich auf Baustellen.

Gopals Freund erzählt, in ein paar Tagen fahre er wieder nach Singapur. "Im Oktober gehe ich auch weg", sagt Gopal. - "Warst du schon bei einem Agenten?" - "Nein, ich probiere es mit einem Touristenvisum, auch wenn das gefährlich ist. Ich will einen gut bezahlten Job." - "Wo willst du hin?" - "Nach Dubai."