Von Robert E. Bauman könnte man eigentlich mehr Gelassenheit erwarten, wo sich der Mann schon ein "souveränes Individuum" nennt. Doch er kommt in diesen Tagen aus dem Poltern nicht heraus. Der deutschen Steuerfahndung wirft Bauman "Gestapo-artige Durchsuchungsmethoden" vor. Im Telefongespräch fragt er provozierend, ob die deutsche Armee wohl bald gen Liechtenstein marschieren wolle. Und im Internet ist von ihm zu lesen, dass sich "Frau Merkle" mal so richtig schämen solle.

Man merkt es gleich: Bauman versteht unter "Souveränität" nicht unbedingt gelassene Überlegenheit, er meint den anderen Wortsinn.

Bauman glaubt, dass der Mensch sein eigener Herrscher sein solle, Herr über seine Privatsphäre und sein Geld, unbehelligt von der Obrigkeit.

Ein Kleinstaat auf zwei Beinen. Mit solchen Ansichten verdient der Jurist und ehemalige amerikanische Kongressabgeordnete neuerdings sein Geld. Er berät und publiziert zu dem Thema, wie wohlhabende Menschen ihr Geld in Steueroasen unterbringen können, um neugierigen Beamten zu entgehen, "die uns wie Kinder behandeln".

Leute wie Bauman sind derzeit so aufgebracht, weil die Steueroasen weltweit mal wieder ausgetrocknet werden sollen. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück will notfalls im Alleingang gegen Länder wie Liechtenstein vorgehen. Angela Merkel hat ihren Blick bereits nach Monaco gewandt. Politiker aus anderen Ländern, von Großbritannien bis zu den USA, schicken Solidaritätsbekundungen. " Der Ton hat sich grundlegend geändert", sagt Sven Giegold, Steuerfachmann bei der globalisierungskritischen Gruppe Attac. " Das Problem ist schon lange bekannt, aber nie haben deutsche Politiker sich so öffentlich verpflichtet, auch Ergebnisse zu erzielen."

Können Politiker denn wirklich etwas ausrichten gegen die verschwiegene Welt der Offshorefinanzzentren? Gegen jene fernen Inseln und winzigen Operettenstaaten, deren Bankiers und Berater so gut vom Steuerbetrug, der Geldwäsche oder dem Insiderhandel ihrer Klienten leben? Die Antwort darauf lautet: Sie können wenn sie Politiker in großen, wirtschaftsstarken Nationen sind.

Ende der 1990er Jahre bekam das zum Beispiel das karibische Inselparadies Antigua und Barbuda zu spüren. Binnen weniger Jahre war dort ein Offshorebankenzentrum entstanden, und es galt als eines der am schlechtesten beaufsichtigten und korruptesten der Welt. Die russische Mafia und viele andere kriminelle Organisationen betrieben dort im großen Stil Geldwäsche, hieß es, und die Regierung tue quasi nichts.