Doris Dörrie scheint ein äußerst angenehmer Mensch zu sein. Sie hat wunderbare Geschichten geschrieben, arbeitet viel und hat ein unbequemes Leben gewählt, in dem sie sich Anfeindungen aussetzt und der Mühe, neues Geld für neue Projekte zu finden, sowie der Angst zu versagen. Unmöglich, über ihren neuen Film Kirschblüten – Hanami zu schreiben, was ich schriebe, wäre mir die Regisseurin unvertraut.

Privat hätte ich mir gewünscht, Doris Dörries neuer Film begänne 40 Minuten nach seinem Beginn und Hannelore Elsner wäre bereits bei Gott.

Gewünscht hätte ich mir ferner, ich wäre in dieser langen Anfangssequenz nicht dauernd an meinen Favoriten unter den »sterbende Gatten/Gattinnen«-Filmen erinnert worden, Hana-bi von Großmeister Takeshi Kitano. Die Geschichten ähneln sich: Es geht um Japan und vor allem ums Abschiednehmen von einem Ehepartner, der Freund, Familie und Teil des Körpers geworden ist. Sicher, alle Geschichten auf der Welt ähneln sich immer wieder. Vermutlich kam mir der Vergleich nur, weil man sich ja oft mit einem Werk in Beziehung setzt, und ich wäre lieber die sterbende Frau von Takeshi Kitano, als mit Hannelore Elsner verheiratet zu sein. Bestimmt ist sie in anderen Rollen umwerfend. In diesem Film jedoch glaube ich ihr nichts.

Warum muss sie Bayerisch reden, wenn sie es doch nicht mehr kann? Warum muss sie eine Hausfrau mit Ambitionen zum Butoh-Tanz spielen, wenn man es ihr doch nicht glaubt?

Die ersten 40 Minuten, die zu gefühlten 18 Stunden werden, erzählen keine Geschichte, sondern die Idee von Leben, die man fast für real hält, weil man sie schon so oft gesehen hat. Der in Routine Sicherheit suchende Ehemann, die unterforderte Ehefrau, die widerlichen Kinder aus dem Haus, zwei davon natürlich in Berlin und Arschgeigen. Warum müssen die Eltern schon wieder unverstanden und Kinder genervt sein? Kann es nicht um Himmels willen mal anders gehen? Die Eltern nicht vom Land und nicht staunend in der Hauptstadt der Scheußlichkeiten? Als der Besuch der Alten in Schweigen gefriert, möchte man beschwörend murmeln: Tut jetzt alles, aber fahrt bitte nicht ans Meer.

Umsonst gefleht, sie tun es. Sie tun es wirklich.

Sie fahren ans Meer, das immer für alles herhalten muss, die arme Pfütze, für Auflösung, Unendlichkeit, Neuanfang, Sehnsucht und kalten Wind, der die Körper aneinanderkuscheln lässt wie Hundewelpenleiber. Etwas Gutes hat das Meer, denn hier geht Trudi heim. Trudi und Rudi, nein, darüber rede ich nicht, dass die so heißen, irgendwelche Namen braucht der Mensch ja, vermutlich stand eine Überlegung hinter den Namen, und sie sind Synonym für kuschlige Beliebigkeit. Hier wird kein konkretes Paar gezeigt, sondern ein Zustand.