Ich möchte einmal den Dalai Lama treffen. Religion spielt normalerweise in meinem Leben keine große Rolle. Religionen scheinen mir stark von Verboten und Zwängen geprägt zu sein. Aber der Buddhismus fasziniert mich. Er pocht nicht auf Regeln. Alles, was im Leben passiert, ergibt einen Sinn. Das erscheint mir optimistisch.

Kürzlich hat meine Mutter mir ein Buch geschenkt: In drei Monaten zum Buddhisten. Das beschreibt auf humorvolle Weise, wie man zum Glauben finden kann und wie man die innere Ruhe buddhistischer Mönche erreicht. Sie regen sich nie auf. Der Dalai Lama offenbar auch nicht. Immer lächelt er. Auf mich wirkt er wie ein allwissender Übervater, allerdings nicht überlegen, sondern menschlich, weil er über sich selbst lachen kann.

Im vergangenen Sommer sprach er in Hamburg im Congress Centrum. Ich habe den Auftritt im Fernsehen verfolgt. Der Dalai Lama lächelte und redete und redete. Mit einem Mal wurde er langsamer, seine Stimme wurde leiser, er schien einzuschlafen, sein Kopf kippte zur Seite, er schnarchte tatsächlich leise ins Mikrofon – und fuhr dann plötzlich hoch und wechselte wieder in ein schnelles Vortragstempo. Er spielte mit dem Publikum und den Erwartungen an ihn. Das machte ihn mir sympathisch.

Hätte ich tatsächlich Gelegenheit, den Dalai Lama zu treffen, würde ich keine Tipps erwarten, was ich an mir ändern solle. Er brauchte mir nicht das Leben zu erklären. Ich würde ihn einfach beobachten, vielleicht mit ihm traditionell meditieren. Bisher meditiere ich amateurhaft. Vor schwierigen Dreharbeiten schließe ich mich im Ruheraum auf dem Set ein, setze mich hin, mache die Augen zu und konzentriere mich fünf Minuten lang. Dann stelle ich mir vor, wie ich meine Figur spiele.

Eines würde ich den Dalai Lama schon gerne fragen: ob er nicht auch mal Zweifel habe. Immer lächeln, immer gut gelaunt sein, das muss ihn doch manchmal nerven. Wird es ihm an einigen Tagen zu viel, immer nur als Übermensch angesehen zu werden? Das ist eine Sache, die ich nicht nachvollziehen kann: dass Buddhisten scheinbar nie aus sich herausgehen.

Mein Vater verbrachte einmal zwei Wochen in einem buddhistischen Kloster. Er erzählte mir, wie der Tag dort ablief. Um fünf Uhr morgens aufstehen, dann meditieren, den Hof fegen oder andere Aufgaben erledigen, wieder meditieren, und das alles ohne persönliche Dinge um sich herum. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktioniert. Es gibt doch bestimmt Leute, die denken: Heute habe ich keine Lust, so früh aufzustehen – ich penn mal richtig aus. Und den Hof fegen will ich auch nicht.

In dem Buch von meiner Mutter habe ich den Satz gefunden: Der Buddha ist ein Mensch, der absolute innere Ruhe erlangt hat und sie in jeder Situation zu bewahren weiß. Wenn das stimmt, beneide ich die Buddhisten darum.