Die britische Initiative verschenkt seit 1992 Bücher an inzwischen fast 90 Prozent aller Kinder, Bilderbücher, Bücher auf Englisch, Bücher auf Indisch, Bücher für blinde Kinder (booktouch) – und das alles nicht ein-, sondern mindestens dreimal im Kinderleben. Ihr erstes Buchpaket bekommen die kleinen Briten im Alter von acht Monaten, beim obligatorischen Hausbesuch einer staatlichen Kinderschwester – dort, wo die lokale Zusammenarbeit mit dem Book Trust gut funktioniert, haben sich diese Schwestern zu den wichtigsten »Agentinnen« der Leseförderung entwickelt. Das zweite Buchpaket erhalten Eltern, wenn ihre Kinder mit zwei Jahren an einer Regeluntersuchung teilnehmen – in den Kinderkliniken und Arztpraxen werden sie auch auf die Angebote ihrer örtlichen Leihbüchereien hingewiesen. Das dritte Paket, eine »Bücher-Schatzkiste«, wird über die Kindergärten verteilt. Schulen und Bibliotheken arbeiten bei der weiteren Leseförderung eng zusammen.

Der Book Trust, der die Effekte seines »Bookstart«-Programms von Anfang an wissenschaftlich erforschen ließ, kann inzwischen auf eine ganze Reihe von Vergleichsstudien verweisen, die für »Bookstart«-Babys eindeutige Vorteile feststellen: Die Kinder hatten beim Schuleintritt einen differenzierteren Sprachstand, sie konnten sich besser artikulieren als Kinder ohne Frühförderung – und legten interessanterweise auch beim Umgang mit Zahlen eine höhere Kompetenz an den Tag. »Bookstart«-Eltern widmeten ihren Kindern mehr Vorlesezeit und kauften ihnen häufiger Bücher als Geschenke.

Großbritanniens staatliches Engagement für die frühkindliche Leseförderung sollte der deutschen Bildungs- und Familienpolitik eine Benchmark sein. Und die Philosophie des Book Trust klingt weit weniger nützlichkeitsversessen, als man es von den utilitaristischen Briten erwarten würde: Die Organisation will eine »lebenslange Liebe zu Büchern wecken – denn jedes Kind hat das Recht, Bücher so früh wie möglich zu genießen und von ihnen zu profitieren«. Das mutet noch etwas menschenfreundlicher an als die von der Stiftung Lesung verheißene »unverzichtbare Schlüsselqualifikation in der modernen Wissensgesellschaft«.

Futter für kleine Leser

Über die deutsche »Lesestart«-Initiative informiert die Stiftung Lesen unter www.lesestart-deutschland.de. Dort können sich auch Kinderärzte anmelden, die sich an »Lesestart« beteiligen wollen.

Verschiedene Untersuchungen zum Erfolg von »Bookstart« finden sich unter www.booktrust.org.uk